Nikolino Zatezalo kann sich in der neuen Wohnung auf die Einbürgerungsprüfung vorbereiten, Wiebke Seebach übergibt die Schlüssel. Foto: Vonovia/ Offenblende

Nikolino Zatezalo ist froh: Beinahe wäre er auf der Straße gelandet, doch der Brunstorfer Verein „Zwischenstopp Straße“, der sich in Hamburg für Obdachlose einsetzt, fand für ihn in letzter Minute eine neue Bleibe in einer Rissener Vonovia-Wohnung. Zatezalos Fall zeigt, wie schnell es gehen kann, auf der Straße zu stehen, aber auch, dass ein bisschen guter Wille und Unterstützung viel bewirken können.
Nicht alles an Facebook ist offenbar von Übel: Im Falle des gebürtigen Kroaten Zatezalo war es ein Glück, dass der Hamburger Fotograf Marcus Barthel in diesem Medium unterwegs ist. Im Februar erfuhr er über die Facebook-Seite des Vereins „Zwischenstopp Straße“ von Zatezalos Schicksal: Zatezalo hatte seine Wohngemeinschaft wegen Familiennachzug verlassen muüssen, landete er in einer Gartenlaube, dann in einem Wohncontainer. Barthel wandte sich an das Wohnungsunternehmen Vonovia. Tatsächlich organisierte Vonovia binnen vier Wochen eine Wohnung.
Das ist überraschend, denn bisher stand das Wohnungsunternehmen öffentlich immer wieder heftig unter Beschuss, zuletzt Anfang März wegen – trotz Corona-Krise – steigender Mieten und steigender Dividendenausschüttungen an Aktionäre bei Süddeutsche.de. Ein Sinneswandel? Wiebke Seebach, Regionalleiterin von Vonovia Hamburg Nord: „Wir freuen uns, dass wir ihm schnell und unkompliziert helfen konnten.“
Zatezalo ist in Kroatien geboren, war mit 49 Jahren zweimal im Krieg. Seit sechs Jahren lebt und arbeitet er in Deutschland. Mit dem verdienten Geld versorgt er seine beiden Kinder daheim in Kroatien – eines hat eine leichte geistige Einschränkung. Wer ihn kennt, beschreibt Zatezalo als treu, pünktlich und zuverlässig. Weil er eindrucksvolle 2,02 Meter groß ist, hat er von Bekannten den Spitznamen „sanfter Riese“ bekommen. Heute arbeitet Zatezalo bei einem Sicherheitsdienst in Kaltenkirchen und bereitet sich auf seine Einbürgerung vor.
Mangelhafte Bildung ist nicht Zatezalos Problem: Er spricht fünf Sprachen, ist ausgebildeter Web-Designer, war in seiner Heimat Journalist und liebt das Tanzen. Bergab ging es, weil ihn ein Arbeitgeber nicht ordentlich anmeldete. Es folgten Strafen, Geldforderungen und eine negative Schufa-Auskunft. Und damit hat man auf dem engen Wohnungsmarkt keine Chance. Sylvia Senger von Zwischenstopp Straße: „Es ist für Menschen am Rande der Gesellschaft schon lange schwierig, kleine und günstige Wohnungen zu finden. Doch wegen Corona ist es nahezu unmöglich geworden.“

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