Rieckhof-Chef Jörn Hansen. Foto: Kreller

Der langjährige Kreisvorsitzende Harald Muras will das
Kulturzentrum bei einem Prozess gegen den Bezirk vertreten

Andreas Göhring, Harburg. Das Bezirksamt bleibt dabei: Dem Verein „Freizeitzentrum Hamburg-Harburg“ werden zum Jahresende die Mittel zum Betrieb des Stadtteilkulturzentrums Rieckhof entzogen. Das habe einzig und allein das Bezirksamt zu entscheiden. Lediglich beim Ausschreibungstext für die Suche nach dem künftigen Rieckhof-Betreiber werde die Politik gehört – allerdings nur in nicht öffentlicher Sitzung des Harburger Kulturausschusses.
Das Vorgehen des Bezirksamts ist „sehr undurchsichtig, bizarre Hinterzimmerpolitik und unter demokratischen Gesichtspunkten mehr als fragwürdig“. Dieses harte Urteil kommt nicht etwa von der Opposition in der Bezirksversammlung, es stammt vielmehr aus einem Beschluss des SPD-Distrikts Harburg-Ost. Der Distriktsvorsitzende Torsten Fuß ist nicht der einzige kritische Genosse. Auch der SPD-Distrikt Harburg-Mitte hat einen ähnlichen Beschluss gefasst.
Der Kreisvorsitzende Frank Richter hatte kurz nach Bekanntwerden des Bezirksamtsplans klar Stellung bezogen. Er unterstütze das Vorgehen von Sozialdezernentin Anke Jobmann, die mit einem„Interessenbekundungsverfahren“ neue Ideen und ein moderneres Konzept für das „Bürgerhaus Harburg“ finden möchte. Doch damit hat Richter wohl unterschätzt, wie wichtig der Rieckhof für die Seele der Harburger Genossen ist. „Das ist im Grunde das einzig wirklich Vernünftige, das die SPD in Harburg geschaffen hat“, sagt ein Genosse.
Kein Wunder, dass jetzt plötzlich SPD-Granden aus der Rieckhof-Gründerzeit auftauchen und kräftig mitmischen. Hans Joachim Meissner, Vizepräsident der Hamburger Bürgerschaft a.D., fordert zum Beispiel Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen auf, das Interessenbekundungsverfahren sofort einzustellen.
Harald Muras, früher 16 Jahre Kreisvorsitzender der SPD, ist sogar wild entschlossen, den Rieckhof und seine Betreiber in einem Prozess gegen das Bezirksamt zu vertreten.
Besucher des Rieckhofs haben inzwischen eine Online-Petition zum Erhalt des Rieckhofs in seiner jetzigen Form gestartet. Mehr als 1.500 Harburger haben schon unterzeichnet. Nur: Eine Online-Petition kann berücksichtigt werden, muss aber nicht. Wirkungsvoller wäre ein Bürgerbegehren, dafür müssten aber Unterschriften gesammelt werden.
Sollte die geforderte Zahl von Unterstützern zusammenkommen, müsste die Bezirksversammlung entscheiden, ob sie den Forderungen zustimmt. Die Gefahr, dass der Senat wie beim Bürgerbegehren zum Erhalt des Beachclubs dazwischen grätscht, wäre hier nicht gegeben.

1 KOMMENTAR

  1. Es ist mir nicht bekannt, was genau hinter dem Konflikt zwischen Bezirk und Riekhof steht. Aber der Stil des Umgangs ist doch grottenschlecht. Über dreißig Jahre habe ich in Wandsbek eine Kultureinrichtung geleitet und die Arbeit verantwortet. Dabei haben wir auch strittige Themen immer im OFFENEN Dialog mit Politik und Verwaltung erörtert. Vertrauen und Offenheit war stets die Grundlage des Handelns. Das was man jetzt hier sieht ist unwürdig und diskreditiert auch das Vertrauen in die Fachlichkeit der Verantwortlichen. In jeder Veröffentlichung zur Kulturarbeit steht etwas von Vertrauen der Besucher in das Wirken der Einrichtungen, Eingebunden sein in das Quartier, Kontinuität, Aufbau von festen Bezügen, Verankerung der Einrichtung. All das wird jetzt konterkariert. Schade!!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here