Torsten Runge vor dem Fahrstuhl. Foto: wit

Wolfgang Wittenburg, Süderelbe. „Die Fahrstuhlsituation von Gleis 2 und 3 am S-Bahnhof Neugraben ist für eine Stadt wie Hamburg leider über Jahre hinweg absolut desolat. Das ist ein Armutszeugnis“, schimpft Torsten Runge (57). Der Neugrabener Chemiker leidet an Multipler Sklerose und ist auf den Rollstuhl angewiesen.
„Vor kurzem war ich gefühlt Stunden in dem uralten und unzuverlässigen Schrägaufzug auf der Westseite des Bahnhofs gefangen“, sagt Runge, der sich auch in der Behinderten Arbeitsgemeinschaft Harburg engagiert. „Es war Wochenende, die Fahrstuhltür öffnete sich plötzlich nur einen Spalt. Der Notruf funktionierte, aber die Techniker waren gerade in Bergedorf im Einsatz. Bei meiner Befreiung musste für die Breite meines Rollstuhles die Eingangstür zerstört werden.“
Auf Nachfrage teilt der zuständige Landesbetrieb Straßen, Brücker und Gewässer (LSBG) mit, dass die Aufzüge Baujahr 1986 sind und bereits 2012 erneuert werden sollten. „Dies wurde von der zuständigen Wirtschafts- und Verkehrsbehörde verworfen, da sich der Fokus mit Neubau von Aufzügen auf die östliche Seite der Station Neugraben richten sollte“, heißt es leicht verschwurbelt.
Und warum musste der Neugrabener so lange auf seine „Rettung“ warten? „Bei Personen-Befreiungen aus Aufzügen soll die Zeit von der Notrufabgabe bis zum Eintreffen des Hilfeleistenden an der Anlage von einer halben Stunde nicht überschritten werden“, teilt der LSBG mit. Laut Wartungsunternehmen trafen die Monteure zirka 50 Minuten nach der Notrufaufgabe am Aufzug ein. „Hier besteht Nachholbedarf!“, räumt der LSBG ein – weist aber darauf hin, dass sich auch Aufzugsmonteure an die Verkehrsregeln halten müssen.
Dass der S-Bahnhof Neugraben bis 2024 barrierefrei sein soll, ist für Torsten Runge nur ein schwacher Trost. „Liebend gerne würde ich meine Erfahrungen in ein Planungs-Gremium einbringen können. Ich wünsche mir entweder an der West- oder Ostseite einen zuverlässigen Aufzug. Ideal wäre ein Zugang ohne Fahrstuhl, wie in der S-Bahnstation Fischbek.“

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