EBV-Vorstand Joachim Bode vor dem Thermo-Ölkessel, der die Wärmepumpe des größten Eisspeichers antreibt. Foto: oz

Eisenbahnbauverein Harburg hat
15 Millionen Euro in Eisspeicherheizungen investiert

Der riesige Wasserspeicher liegt nur einen Steinwurf vom Sportplatz Wilstorfer Höh entfernt. An der Roseggerstraße, tief im Boden verbuddelt. Er bildet das Herz einer Eisspeicherheizung – der ältesten der vier Eisspeicherheizungen, die die Wohnungsbaugenossenschaft Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) betreibt. Insgesamt hat der EBV fast 15 Millionen Euro in diese ökologischen Vorzeigeprojekte investiert. 900 Wohnungen werden so beheizt und mit Warmwasser versorgt.
Jeder weiß: Der Vorrat an fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Erdöl ist begrenzt. Erneuerbare Energien wie Sonne, Wind oder Luft stehen dagegen in nahezu unerschöpflicher Menge zur Verfügung. Aber wie kommt man darauf, mit Eis zu heizen? „Ein Ex-Mitarbeiter von Hein Gas, ein Diplom-Ingenieur, kam auf uns zu“, erinnert sich EBV-Vorstand Joachim Bode. „Bei uns bestand Handlungsbedarf, weil teure E-Speicher-Heizungen abgebaut werden mussten und wir nach Alternativen gesucht hatten.“
Die anfängliche Skepsis („Wir müssen ja nicht immer die Ersten sein …“) wich, als das benachbarte Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) und die Hamburger Umweltbehörde Unterstützung signalisierten. Am 11. November 2014 ging die erste Eisspeicherheizung in Betrieb.
Und so funktioniert‘s: Verwandelt sich Wasser in Eis, wird eine sehr große Wärmemenge frei, die sogenannte Kristallisationswärme. Diese Wärme kann zum Heizen genutzt werden. Mit Hilfe von Wärmetauschern und Glykol, das in Rohren mitten durch einen Wasserspeicher fließt, wird Wärme entzogen. So lange, bis das Wasser im Speicher zu Eis gefriert.
Der Speicher wird energetisch „entleert“. Die „Auftankung“ des Speichers erfolgt über Solaranlagen, die auf Dächern der EBV-Häuser errichtet wurden. Das Eis schmilzt ab, die Wassertemperatur steigt. Das System ist bereit für die neue Heizperiode. Im Sommer, wenn der Eisspeicher sich auflädt, wird das Warmwasser mehrheitlich über Solarkollektoren erzeugt.
Der unterirdische Beton-Wasserspeicher fasst gigantische 1,6 Millionen Liter Wasser. Das entspricht rund 10.000 vollen Badewannen. Wollte man den Speicher mit einem normalen Wasserhahn füllen, würde das fast sechs Monate dauern. Im Tank befindet sich ein 14 Kilometer langes Schlauchsystem, durch das eine Mischung aus Wasser und Glykol fließt.
Erfreulich: Die Eisspeicherheizungen schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbeutel der EBV-Mieter. „Die Heizkosten sind um bis zu 35 Prozent gesunken“, sagt EBV-Vorstand Bode. Weitere Eisspeicherheizungen sind bei der Harburger Wohnungsbaugenossenschaft aber aktuell nicht geplant. Jetzt soll in EBV-Wohnanlagen eine Ladeinfrastruktur für E-Bikes und E-Autos entwickelt werden.

Hintergrund
Erneuerbare Energien sind Energiequellen, die fast unbegrenzt zur Verfügung stehen oder sich verhältnismäßig schnell erneuern. Dazu zählen Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft, Meeresenergie, Sonnenenergie und Windenergie.
Erneuerbare Energiequellen gelten, neben der effizienten Nutzung von Energie, als wichtigste Säule einer nachhaltigen Energiepolitik. Im Zuge der Energiewende treten an die Stelle von Atom- und Kohlekraftwerken neue Stromlieferanten wie Windenergie- und Solaranlagen.
Aber Wind und Sonne sind nicht immer dann verfügbar, wenn Strom gebraucht wird. Deshalb wird ein Energiesystem benötigt, das in der Lage ist, Schwankungen im Netz auszugleichen und den Verbrauchern immer genügend Strom bereitzustellen.
In die drei neuen Eisspeicherheizungen des Eisenbahnbauvereins Harburg, erbaut 2017-2019, kann auch aus Windenergie erzeugten Strom eingespeist und gespeichert werden (Power-to-Heat).

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