Bunte Bilder und dicke Teppiche verleihen der St. Raphaelkirche ein ganz neues Aussehen. Foto: sl

In den nächsten fünf Jahren ist hier die Äthiopisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Hl. Kidanemehiret Hamburg zu Hause

Sabine Langner/WILHELMSBURG. Rund 4.700 Mitglieder hat die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Kirchdorf. Tendenz fallend. Vor 20 Jahren waren es noch rund 10.000 Gemeindemitglieder. Schon damals waren die Kirchen am Sonntag nicht mehr gut gefüllt, und es wurde beschlossen, die Gemeinden der Kreuzkirche und die der St. Raphael-Kirche zusammenzuschließen. Aber zwei Kirchen und zwei Gemeindehäuser kosten in erster Linie Geld. Was also tun mit einer der beiden nicht genutzten Kirchen? Verkaufen? Entwidmen? Vermieten und eine Kita einziehen lassen? „Der Kirchengemeinderat wollte unbedingt, dass die Kirche auch weiterhin als kirchlicher Raum erhalten bleibt“, berichtet Pastor Heye Osterwald.
Nach monatelangem Suchen, Finden und Verhandeln gibt es seit Anfang des Jahres eine Lösung: Für fünf Jahre hat die Äthiopisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Hl. Kidanemehiret Hamburg die St. Raphael-Kirche gemietet. Priester Dr. Hiroie Ermias kümmert sich hier um die rund 250 gläubigen Christen seiner Gemeinde, die aus ganz Hamburg und Umgebung in die Wehrmannstraße kommen.
Viele Gläubige stammen aus Äthiopien, andere aus Eritrea. Sie alle träumten von einer eigenen Kirche. Ein langer Weg, da die Gemeinde sich allein durch Spenden und Kollekten finanziert. „Ich schätze, wir würden ungefähr eine Million Euro brauchen, um eine Grundstück zu kaufen und eine eigene Kirche zu bauen“, sagt Priester Ermias. „Vielleicht schaffen wir das in den kommenden fünf Jahren“. Allerdings hat auch die Tewahedo-Gemeinde wie alle anderen Kirchengemeinden unter den Kontaktbeschränkungen zu leiden. Dadurch kommen deutlich weniger Gläubige regelmäßig zu den Gottesdiensten.
Wie es nach den fünf Jahren weiter geht, kann auf der Elbinsel im Moment noch keiner sagen. „Ich glaube ganz bestimmt nicht, dass wir in fünf Jahren plötzlich wieder selber so viele Gemeindemitglieder haben, dass wir zwei Kirchen brauchen“, sagt Heye Osterwald. „Wir haben der äthiopischen Gemeinde gesagt, dass es eine Option auf eine Vertragsverlängerung gibt. Aber das ganze Korallus-Viertel entwickelt sich, da wird sich in den nächsten Jahren stadtplanerisch viel tun.“

Pastor Heye Osterwald (l.) und sein äthiopischer Kollege Priester Hiroie Ermias vor der St. Raphael-Kirche. Fotos: sl

Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche hat durch ihre isolierte Lage im Hochland am Horn von Afrika umgeben von muslimischen Ländern viele kulturelle und religiöse Eigenständigkeiten bewahrt und entwickelt.
Besonders augenfällig sind die vielen Anklänge an das Judentum, die wahrscheinlich dadurch entstanden, dass sich die christlichen Gläubigen durch wiederholte Lektüre des Alten Testamentes mit dem biblischen Israel identifizierten und jüdische Glaubensformen wie die Beschneidung von Jungen oder das Einhalten des Sabbats entwickelten.
Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche ist mit 35 bis 40 Millionen Gläubigen die größte aus der Familie der orientalisch-orthodoxen Kirchen. Quelle: Wikipedia

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