Arbeitsgruppe des Luruper Forums erstellt Wunschkatalog für die Entwicklung an der Luruper Hauptstraße

Reinhard Schwarz, Lurup

Die Luruper Hauptstraße am frühen Nachmittag: Autos und Laster rasen im Sekundentakt stadtein- und stadtauswärts. Es sind nur wenig Leute unterwegs. Die Bebauung ist immer wieder kleinteilig, mit Ein- bis zweistöckigen Einfamilienhäusern. Doch wie wäre es, wenn man im Bereich der Ein- und Ausfallstraßen statt kleinteiliger Bauten – verschenkter Raum aus Sicht der Planer – größere Wohnkomplexe umsetzen würde? Dieses Konzept – genannt Magistralenstrategie – verfolgt der Senat seit einigen Jahren (siehe Infotext).

Die Luruper Hauptstraße soll nicht zu einer Straßenschlucht mit maximaler Verdichtung an Bebauung werden
Christiane Gerth ,
Arbeitsgruppe Magistrale des Luruper Forums

Stadt und Bezirk haben unter anderem die Luruper Hauptstraße ins Visier genommen. Das Büro Plankontor hat dazu im Auftrag des Bezirksamts Altona sogenannte „vorbereitende Untersuchungen“ erarbeitet. Erste Ergebnisse sind bereits bekannt geworden. So halten die Experten eine Wohnfläche von 53.000 Quadratmetern an der westlichen Luruper Hauptstraße für möglich, das entspricht etwa 500 neuen Wohnungen. Doch wie sollen diese Neubauwohnungen aussehen?

Auch die Aktiven vom Luruper Forum haben sich des Themas angenommen und eine Arbeitsgruppe (AG) Magistrale gegründet. Deren Mitglieder haben einen Wunschkatalog erarbeitet, der vergangene Woche während einer Online-Konferenz des Luruper Forums vorgestellt wurde.

„Fantasielose Gestaltung und keinerlei Begrünung“

In dem Katalog, der von der Architektin Christiane Gerth präsentiert wurde, heißt es: „Die Luruper Hauptstraße soll nicht zu einer Straßenschlucht mit maximaler Verdichtung an Bebauung werden.“ Vielmehr wünsche man sich eine „interessante Flaniermeile mit Aufenthaltsqualität“. Vor allem fordern die AG-Mitglieder viel Grün, Erhalt alter Bäume und Pflanzung neuer, um für ein gutes Mikroklima besonders in heißen Sommern zu sorgen.
Als „Negativbeispiel“ gelten der AG hingegen die „Luruper Höfe“, ein Neubaukomplex am Böttcherkamp / Luruper Hauptstraße. Die Mitglieder monieren unter anderem „Straßenschluchtbebauung unmittelbar am Fußweg“, teilweise „fensterlose Fassaden“, „fantasielose Gestaltung und keinerlei Begrünung“. Mängel, die aber offenbar von der Bezirkspolitik abgesegnet wurden.

Auch die Bebauung eines Teils des ehemaligen Hermes-Gelände nahe dem Eckhoffplatz stößt bei nicht wenigen Beobachtern auf Kritik. Immerhin: Das Problem mit der Lärmbelastung haben die Architekten unter anderem dadurch gelöst, dass die empfindlichen Wohn- und Schlafbereiche zum Hof hin verlagert wurden. Auf viele Menschen wirken die Neubauten aber wie riesige Bauklötze.

Ob sich die Luruper Hauptstraße künftig zu einer Flaniermeile entwickelt, wird sich zeigen.

 

Magistralstrategie

Die Stadt Hamburg verfolgt die sogenannte „Magistralenstrategie“ landesweit. Demnach sollen einerseits Entwicklungspotenziale für Wohnraum entlang von Hauptverkehrsstraßen – auch Magistralen genannt – aufgezeigt werden. Deren Verwirklichung soll gleichzeitig die betroffenen Gebiete aufwerten und zu einer stärkeren Identifikation mit dem Stadtteil führen. Durch diese Strategie sollen großen Grünflächen wie die Feldmarken geschützt werden.
Um der Nachfrage nach Wohnungen zumindest teilweise entsprechen zu können, hat auch der Bezirk Altona die Hauptverkehrsstraßen ins Zentrum gerückt. Viele der Grundstücke der Magistralen, so eine Analyse des Bezirks, sind nur gering bebaut und Gebäude häufig nur ein- bis zweigeschossig.
Der Senat wiederum hat für die westliche Luruper Hauptstraße im August 2019 sogenannte „vorbereitende Untersuchungen“ (VU) beschlossen. Das Gebiet reicht von Luckmoor/Ackerstieg bis zur Landesgrenze nach Schleswig-Holstein. Mit der konkreten Erstellung der VU hat der Bezirk das Büro „Plankontor“ beauftragt. Die Ergebnisse des Berichts konnten erst nach Redaktionsschluss ausgewertet werden. Mehr unter
www.plankontor-hamburg.de
DA/RS

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