Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen. Foto: niels kreller

Rot-Grün und Verwaltung wollen das ehemals sozialdemokratische
Vorzeigeprojekt abwickeln

Andreas Göhring, HARBURG. Endzeitstimmung im Rieckhof: Trotz heftiger Kritik hält das Bezirksamt an seinem Plan fest, dem Verein „Freizeitzentrum Hamburg-Harburg“ jegliche finanzielle Förderung zu entziehen. Stattdessen sollen ein neues Konzept und ein neuer Träger für das Bürgerhaus gefunden werden. Harburgs Sozialdezernentin Anke Jobmann: „Diese Entscheidung hat das Bezirksamt getroffen.“
Bisher kann sich das Bezirksamt auch sicher sein, die Mehrheit der Bezirksabgeordneten hinter sich zu haben. In vertraulichen Gesprächen mit Vertretern der rot-grünen Harburger Koalition ist die Idee entwickelt worden, nach mehreren Jahrzehnten mit Rieckhof-Chef Jörn Hansen und seinem Team „mal frische Leute ranzulassen“. Heinke Ehlers, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, erinnert sich daran, dass ihre Partei schon vor zehn Jahren mit dem damaligen Koalitionspartner das Thema angepackt hatte. Aber dann habe CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer gekniffen.
Mit der SPD scheint es besser zu klappen. Zumindest singen die Fraktionschefs von Grünen und SPD, Bianca Blomenkamp und Frank Richter, in einer Pressemitteilung einträchtig im Chor: „Wir stehen gemeinsam mit der Bezirksverwaltung dafür, dass der Rieckhof modernisiert und zukunftsfähig wird.“
Steht die SPD wirklich hinter dem Plan, Hansen in die Wüste zu schicken? Schließlich war der Rieckhof mit all seinen Eigenheiten von Anfang an ein sozialdemokratisches Prestigeprojekt. Der Bezirksabgeordnete Frank Wiesner wagte sich als Erster aus der Deckung: „Diese Entscheidung ist nicht in Ordnung“, postete er bei Facebook. Seither soll es in der SPD heftig knallen. Die Rieckhof-„Gründungsväter“ Hans-Joachim Meissner und Harald Muras haben sich offenbar auch schon lautstark zu Wort gemeldet.
Rieckhof-Chef Hansen ist sauer. Ihn stört vor allem eine Bemerkung der Sozialdezernentin Jobmann im Kulturausschuss. Sie hatte gesagt, das Rieckhof-Konzept sei 2020 ausgelaufen. Und es sei vereinbart worden, dass ein neues Konzept vorgelegt und zur Diskussion gestellt werden müsse. Schließlich müssten die Anregungen aus Politik und Verwaltung in dem Konzept berücksichtigt werden. Jobmann: „Das ist nicht geschehen.“
In Wahrheit hatte Hansen das Konzept zweimal an mehr als 200 Adressen Harburger Entscheider verschickt, aber darauf keine einzige Antwort bekommen. Offenbar hatten zu diesem Zeitpunkt schon viele den Daumen über Hansen und „seinen“ Rieckhof gesenkt. Hansen: „Leider hatte niemand den Mut, mir das zu sagen.“ Nun wird es zunächst ein vermutlich dreimonatiges „Interessenbekundungsverfahren“ geben, mit dem ein neues Konzept und ein neuer Betreiber für den Rieckhof gefunden werden soll.

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