Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen. Foto: niels kreller

Verwaltung und die rot-grüne Harburger Koalition suchen neuen Betreiber für das Stadtteilkulturzentrum Rieckhof

Andreas Göhring, Harburg. 37 Jahre nach Eröffnung des Rieckhofs soll dem Verein „Freizeitzentrum Hamburg-Harburg“ die Trägerschaft entzogen werden. Das hat Sonja Wichmann, Leiterin des Harburger Fachamts Sozialraummanagement, vor gut einer Woche Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen mitgeteilt. Der zeigte sich geschockt: „Niemand hatte zuvor auch nur eine Andeutung gemacht, dass man mit unserer Arbeit nicht zufrieden wäre.“
Der Plan, einen neuen Träger für das Stadtteilkulturzentrum zu suchen, ist offenbar nicht neu. Immer wieder soll das Thema in Besprechungen der Bezirksamtsleitung und den Koalitionären von SPD und Grünen angesprochen worden sein – ohne allerdings wirklich konkret zu werden. Dann wurde bekannt, dass Jörn Hansen im März 2022 in Ruhestand geht. Zugleich spendierte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) 1,8 Millionen Euro für die Sanierung des Rieckhofs.
Bezirksamt und die rot-grüne Koalition hielten das für eine gute Gelegenheit, dem Rieckhof ein neues Konzept zu verpassen – obwohl Jörn Hansen und sein Team gerade ein Konzept bis zum Ende der Zwanziger Jahre vorgelegt hatten. Hansen: „Das hat offensichtlich keinen interessiert. Wir haben zwar mehr als hundert Mails verschickt, aber kaum Rückmeldungen bekommen.“
Stattdessen gab es – allerdings nur hinter vorgehaltener Hand – Kritik am Rieckhof-Geschäftsführer. Heiko Langanke, Vorsitzender des Harburger Kulturausschusses erinnert sich: „Am Rande einer Sitzung hat mich jemand aus dem Bezirksamt zur Seite genommen und gefragt: Wie können wir nur den Hansen loswerden?“
Das soll jetzt mit einem „Interessenbekundungsverfahren“ geschehen, bei dem mögliche Betreiber ihr Konzept für das Kulturzentrum vorstellen können. Seit diese Entscheidung dem Rieckhof mitgeteilt worden ist, hüllt sich das Bezirksamt in Schweigen. Anfragen zum Rieckhof werden nicht beantwortet. Um aber nicht die Kontrolle zu verlieren, falls von dem Plan doch etwas in die Öffentlichkeit dringt, hat das Bezirksamt einen einzelnen ausgesuchten Journalisten zu einem „Hintergrundgespräch“ eingeladen. „Dass Harburgs Fürsten den Dialog nicht suchen und vermutlich auch nicht wollen, zeigt, wie weit Harburg von offenen Diskussionen auf Weltstadt-Niveau entfernt ist“, sagt Langanke.
Während die SPD in Sachen Rieckhof inzwischen völlig abgetaucht ist, war zumindest Heinke Ehlers, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, bereit, über die Überlegungen zur Zukunft des Rieckhofs zu sprechen: „Nach Lektüre des neuen Rieckhof-Konzepts haben wir uns gefragt, ob es auch in Zukunft dem Stadtteil angemessen ist.“ Mit der SPD sei man sich auch einig gewesen, dass mehr für junge Leute aus allen Kulturen angeboten werden müsste. „Statt eines reines Veranstaltungszentrums wünschen wir uns ein Bürgerhaus für Harburg“, sagt Ehlers.
Sowohl vom Bezirksamt als auch von den Grünen war jetzt zu hören, dass der Freizeitzentrum Hamburg-Harburg e.V. aufgefordert werden soll, sich ebenfalls um die neue Trägerschaft für den Rieckhof zu bewerben.

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