Das neue ETV Sportzentrum Hoheluft wird mit Solarstrom aus einer Photovoltaikanlage der Bürgerenergiegenossenschaft EnergieNetz Hamburg eG (ENH) versorgt werden. ENH finanziert und errichtet die Solarstromanlage mit einer Spitzenleistung von 30 Kilowatt.Foto: Justus stegemann/ETV

EnergieNetz Hamburg eG – hier kann jede(r) mitmachen

Wohnungsbaugenossenschaft? Kennt jeder. Genossenschaftsbank? Schon mal gehört. Aber wer weiß schon, dass es in Hamburg auch eine Energiegenossenschaft gibt, die EnergieNetz Hamburg eG (ENH)? Was genau dahintersteckt, erklären die ENH-Vorstände Eva Augsten und Matthias Ederhof im Wochenblatt-Interview.

Was ist eine Bürgerenergie-Genossenschaft? Die Idee der Bürgerenergie entstand nach dem Atomunfall in Tschernobyl. Ökologisch engagierte Menschen haben sich zusammengetan, um Strom aus Wind- und Solarenergie zu erzeugen. Die erste Bürgerenergie-Gesellschaft in Hamburg war die „Umschalten Windstrom Wedel“, kurz UWW. Am bekanntesten sind die Energiewerke Schönau (EWS). Dort hat eine Genossenschaft mit viel persönlichem Einsatz das kommunale Stromnetz übernommen. Heute sind die EWS ein etablierter Ökostromanbieter.

Worin besteht die Grundidee der ENH? Ursprünglich wollten wir nach dem Vorbild der EWS in die Hamburger Energienetze einsteigen, um eine demokratische Bürgerkontrolle zu etablieren. Daher auch unser Name. Nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ von 2013 hat die Stadt die Netze selbst gekauft. Damit ist zumindest unser Hauptziel erreicht, die demokratische Kontrolle. Heute planen, finanzieren und betreiben wir vor allem Solaranlagen in und um Hamburg. Unsere Mitglieder haben uns aber auch beauftragt, uns weiter politisch für die Energiewende einzusetzen. Das tun wir mit Veranstaltungen wie dem „Wärmedialog“ oder Volksinitiativen wie „Tschüss Kohle“.

Wie kann man Mitglied werden? Das ist ganz einfach. Das Beitrittsformular gibt es auf unserer Webseite unter „Downloads“. Man muss mindestens einen Geschäftsanteil für 100 Euro kaufen. Dazu kommt noch ein Eintrittsgeld von 50 Euro. Alle Mitglieder haben bei der Generalversammlung das gleiche Stimmrecht. Wer Geld fest verzinslich anlegen will, kann der Bürgerenergiegenossenschaft zusätzlich ein Darlehen geben.

Wie verdient die Genossenschaft Geld? Wir finanzieren und betreiben Anlagen zur Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie. Je nach Projekt verkaufen wir den Strom an lokale Abnehmer oder an den Netzbetreiber. Manchmal verpachten wir auch die Solaranlage, sodass unsere Kunden selbst ihren Strom erzeugen können. Nach und nach bekommen wir so kontinuierliche Einnahmen.

Welche Projekte hat die ENH erfolgreich umgesetzt? Können Sie Beispiele nennen? Ungefähr die Hälfte unserer PV-Anlagen bauen wir auf Mehrfamilienhäusern. Die Mieterinnen und Mieter können dann direkt von uns günstigen und klimafreundlichen Solarstrom kaufen. Solche Mieterstrom-Projekte haben wir in der Finkenau (Leo-Leistikow-Alle), in Neugraben (Plaggenmoor) und im Handwerkerhof Ottensen umgesetzt. Auch auf Gewerbebetrieben und kommunalen Gebäuden haben wir Solaranlagen gebaut. Hinzu kommen besondere Projekte wie das Neubauquartier „Hinter der Lieth“ der Buchdrucker-Baugenossenschaft in Lokstedt. Dort betreiben wir nicht nur eine PV-Anlage, sondern auch ein Nahwärmenetz für 80 Haushalte.

Wie kommt die ENH an mögliche Projekte? Zufriedene Kunden empfehlen uns oft weiter. Andere werden durch Zeitungsberichte auf uns aufmerksam. Wir wollen unsere Bekanntheit in Zukunft steigern, denn es gibt noch sehr viele Dächer in und um Hamburg, auf denen man Solarstrom erzeugen könnte.

In welchem Bereich ist die ENH aktiv? In der Metropolregion Hamburg? Vor allem sind wir in Hamburg und im direkten Umland aktiv. Der direkte Kontakt ist uns wichtig. Das am weitesten entfernte Projekt liegt nördlich von Bad Bramstedt.

Was sind die nächsten Ziele hat die ENH? Ein besonders schönes Projekt ist die Solaranlage auf dem neuen Sportzentrum des ETV Eimsbüttel, die im Mai fertig werden soll. Außerdem planen wir einige größere Projekte im Hamburger Umland. Dazu gehören zwei Photovoltaikanlagen auf Freiflächen und ein erster Windpark in Schleswig-Holstein.

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