Krisensicherer Job: Uwe Spahl (80) will Werbung fürs Handwerk machen. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Erst vor Kurzem hat Uwe Spahl (80), Chef der Elektrotechnikfirma Homfeld am Niedergeorgswerder Deich, per Stellenzeige in diversen Zeitungen neue Mitarbeiter für seinen Betrieb gesucht. „Was glauben Sie, wie viele Rückmeldungen ich bekommen habe?“ Spahl macht eine bedeutungsvolle Pause. „Keine!“
Der altgediente Handwerksmeister schüttelt den Kopf, er versteht es nicht. „Meiner Meinung nach gehört der Handwerksberuf zum Spannendsten, was es überhaupt gibt. Im Prinzip hat man jeden Tag etwas Neues zu tun.“ Zudem sei sein Job absolut krisensicher. „Arbeitslos werde ich bestimmt nicht.“
Spahl ist gebürtiger Wilhelmsburger. Als sogenanntes „Trümmerkind“ wird er 1941 am Vogelhüttendeich geboren und macht an der Schule Fährstraße seinen Volksschulabschluss.
Schon der Vater arbeitet im Handwerk, die Nachkriegszeit beschert dem Ofenbaumeister stets volle Auftragsbücher. „Das war der beste Beruf, den man damals haben konnte“, erinnert sich Uwe Spahl.
Mit 15 Jahren beginnt der Sohnemann eine dreieinhalbjährige Ausbildung bei Homfeld, arbeitet anschließend vier oder fünf Jahre als Monteur, bevor er sein Fachabitur nachholt und 1971 die Meisterprüfung ablegt.
Mittlerweile hat er die Firma, in der auch Ehefrau und Tochter mitarbeiten, von seinem ehemaligen Chef übernommen. Der Betrieb wartet elektrische Anlagen (Sprechanlagen, Außenbeleuchtungen) von Großkunden wie Saga, übernimmt Notdienste für Feuerwehr und Vattenfall (Einsätze in brennenden Gebäuden inklusive) und baut Automatikherde in Großküchen ein. Privatkunden hat Spahl so gut wie keine. „Nicht, weil wir es nicht können oder wollen, sondern weil wir total unterbesetzt sind“, sagt er.
Insgesamt 15 Angestellte könnte das Unternehmen theoretisch beschäftigen, zurzeit sind aber nur vier der Stellen mit eigenen Kräften besetzt, die übrigen Mitarbeiter kommen von einer Leiharbeitsfirma. „Ich krieg keine Leute ran!“, beklagt Spahl. Woran es liegt, weiß er nicht. Am Geld jedenfalls nicht. „Finanziell geht‘s mir gut“, sagt er.
Seit bald 40 Jahren engagiert sich der rüstige Unternehmer zudem als ehrenamtlicher Arbeitsrichter, wo er unter anderem über Kündigungs- und Lohnstreitigkeiten zu entscheiden hat. Für seine Verdienste hat Uwe Spahl 2011 im Hamburger Rathaus die „Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes“ verliehen bekommen.

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