Bei der Diskussion um gehäufte Corona-Fälle gehe es nicht um „individuelle Schuld oder Stigmatisierung, sondern um Lebensverhältnisse, die krank machen“, betont Gudrun Schittek (Grüne). Foto: Grüne Bürgerschaftsfraktion Hamburg

Hohe Infektionszahlen in Lurup: Bezirksamt Altona kündigt Gründung
einer Arbeitsgruppe an. Auch Bürgerschaftsabgeordnete aktiv

René Dan, Lurup/Altona

Die Zahlen sind erschreckend: Insgesamt 1.276 Luruper haben sich zwischen Februar 2020 und dem 23. März dieses Jahres mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht 3.485 Fällen pro 100.000 Einwohnern, wie eine Recherche des NDR Hamburg Journals ergeben hat. Damit hat Lurup, knapp hinter Altona-Altstadt – 1.032 Coronafälle, die 3.538 Infektionen pro 100.000 Einwohnern entsprechen –, die mit Abstand höchste Inzidenz (nicht zu verwechseln mit der Sieben-Tage-Inzidenz) im Bezirk Altona. Zum Vergleich: In Blankenese sind bislang 200 Fälle gemeldet worden, dies entspricht 1.457 Fällen pro 100.000 Einwohnern – gut 2.000 Inzidenzfälle weniger pro 100.000 Einwohnern als in Lurup und Altona-Altstadt. Macht das Bezirksamt bei der Pandemie-Bekämpfung jetzt Tempo? Das Elbe Wochenblatt hat nachgefragt.

Kündigt Maßnahmen in Lurup an, um die Prävention gegen Corona zu stärken: Mike Schlink, Pressesprecher des Bezirksamts Altona. Foto: PR

Altonas Bezirkspressesprecher Mike Schlink betont, „dass das Gesundheitsamt des Bezirksamts Altona Lurup als einen Stadtteil identifiziert hat, der von der Corona-Pandemie besonders betroffen ist“. Es gebe „die Bestrebung, Maßnahmen vor Ort zu ergreifen“. So werde eine neue Arbeitsgemeinschaft gegründet werden, die für Stadtteile mit Handlungsbedarf bei der Corona-Vorbeugung angedacht sei. „Das alles befindet sich jedoch noch in der Anfangsphase“, sodass er weitere Details noch nicht mitteilen könne.

Die Sozialbehörde geht gegenüber dem Wochenblatt nicht weiter auf Lurup ein. Anja Segert von der Pressestelle sagt grundsätzlich: Die unterschiedlichen Inzidenzzahlen in den Stadtteilen gehen „ganz maßgeblich auf die Lebensumstände der Menschen zurück“, beispielsweise darauf, ob man im Homeoffice Kontakte reduzieren kann.

Zudem betont Anja Segert: „Es ist plausibel, davon auszugehen, dass die meisten der Infektionen nicht am Wohnort selbst erworben werden, sondern bei Aktivitäten und beruflicher Tätigkeit, die oft anderswo stattfindet.“

Anja Segert kündigt Maßnahmen an, um „zielgruppenspezifisch“ – auch fremdsprachig – zu informieren, beispielsweise durch Anzeigen in Supermärkten. Auch über Kitas, Eltern-Kind-Zentren oder Multiplikatoren sowie ein „Infomobil“ will die Behörde aufklären.

In einigen Punkten weiter geht ein rot-grüner Antrag, den die Bürgerschaft überparteilich beschlossen hat. So sollen über das Infomobil die Ausgabe von „kostenlosen medizinischen Masken“ ermöglicht werden. In der Debatte nannte die grüne Bürgerschaftsabgeordnete Gudrun Schittek – neben Quartieren wie Billstedt und Wilhelmsburg – Lurup als ein Beispiel für Stadtteile, die aufgrund beengter Wohnverhältnisse, wenig Homeoffice-Möglichkeiten und weiterer sozialer Benachteiligung hohe Inzidenzen bei den Corona-Zahlen haben. Eine von Schitteks zentralen Forderungen: „Wir müssen in Stadtteilen mit hohen Infektionszahlen die Impfangebote verstärken, es darf nicht auch hier eine Schere zwischen Arm und Reich entstehen.“

 

Keine Zahlen für den Osdorfer Born

Wie lauten die Corona-Infektionszahlen für den Osdorfer Born? Welche Maßnahmen sind für die Hochhaussiedlung geplant?, fragte das Wochenblatt. Doch für den Born gibt es keine extra aufgeführten Corona-Daten, weil er in Lurup und Osdorf liegt. So erklärt Anja Segert von der Pressestelle der Sozialbehörde: „Gesonderte Zahlen unterhalb der Stadtteile werden nicht erhoben und liegen uns auch nicht vor. Maßnahmen vor Ort werden ergriffen, wir befinden uns da aber erst in der Anfangsphase, sodass wir zu weiteren Details noch keine Auskunft geben können.“

 

 

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