Kämpfer für die Umwelt: „Ich will etwas bewegen“, sagt Anwohner Klaus Hillen, hier vor einer Baustelle am Böttcherkamp. Foto: cvs

Bauboom in Lurup: Anwohner Klaus Hillen will den Prozess bremsen

Christopher von Savigny, Lurup

Wird in Lurup zuviel gebaut? Klaus Hillen, seit 30 Jahren Bewohner des Stadtteils, macht sich schon seit Längerem Sorgen um die Natur in seiner Umgebung. „Jede ungenutzte Grünfläche, jedes altes Haus mit altem Baumbestand und jede Lücke zwischen Wohnblöcken wird zum Baugebiet erklärt, plattgewalzt und betoniert“, so Hillen.

Schmetterlinge gibt es so gut wie gar nicht mehr, auch die Vögel werden weniger
Klaus Hillen,
Luruper

Mit seiner Familie lebt der Hobby-Vogelkundler und -ökologe in einem Einfamilienhaus mit Garten und erlebt auf diese Weise unmittelbar das zunehmende Verschwinden vieler Tierarten mit. „Schmetterlinge gibt es so gut wie gar nicht mehr, auch die Vögel werden weniger“, sagt er. Ebenso ließen sich Igel, Erdkröte und Grasfrosch immer seltener blicken.

Alte Gärten werden für Neubauten gerodet

Wer in Lurup unterwegs ist, dem fallen die vielen Baustellen und Neubauten ins Auge: An der Luruper Hauptstraße 205 bis 211 sind schon vor mehreren Jahren über 40 Wohnungen fertig geworden, am Vorhornweg sind es rund 170. Bei den Luruper Höfen am Böttcherkamp (186 Wohnungen) steht das erste Drittel kurz vor der Fertigstellung, so das Bauunternehmen Bonava. Mit dem geplanten „TecHHub“ – dem Mega-Bauprojekt an der Ecke Luruper Hauptstraße/Elbgaustraße – werden nahe dem Volkspark rund 10.000 Quadratmeter Grünfläche abgeknapst.

Doch auch für die kleinen, privaten Baustellen am Flaßbarg, Hanfstieg oder Gänsestieg gilt: An vielen Orten werden alte Gärten gerodet und Bäume gefällt, um Neubauten Platz zu machen.

„Der finanzielle Wert eines Grundstücks darf nicht so sehr im Vordergrund stehen“, findet Hillen. Um dem Baumschwund Einhalt zu gebieten, sollten Bauherren dazu verpflichtet werden, zunächst den „Naturwert“ ihres Gartens schätzen zu lassen. „Wie das zu machen wäre, müsste man sehen.“

„Nicht zwanghaft jede innerstädtische Grünfläche bebauen“

Gegenüber dem Elbe Wochenblatt stimmt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Hillens Kritik grundsätzlich zu. Nachzuverdichten und aufzustocken sei zwar sinnvoll, so Nabu-Landesvorsitzender Malte Siegert (siehe auch Infotext). „Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, zwanghaft jede Baulücke schließen oder jede innerstädtische Grünfläche bebauen zu müssen.“

Hillen wiederum hatte vor Kurzem auch beim Grünausschuss der Bezirksversammlung Altona vorgesprochen. „Den Wunsch, möglichst viel Natur in der Stadt zu erhalten, finde ich durchaus verständlich“, sagt der Ausschussvorsitzende Lars Andersen (Grüne). Allerdings sei es nicht sinnvoll, das Thema als Ganzes zu diskutieren. „Wir können uns gerne über konkrete Einzelfälle auseinandersetzen.“

 

Nabu-Chef für für „gute Balance“

Auf Anfrage des Elbe Wochenblatts äußerte sich der Nabu-Landesvorsitzende Malte Siegert zur Kritik an Naturzerstörung in Lurup: „Bevor an den Stadträndern weiter Fläche für Stadtentwicklung in Anspruch genommen wird, ist es bis zu einem gewissen Grad sinnvoll, innerhalb der Stadt nachzuverdichten und vor allem auch aufzustocken.“ Das Potenzial, vor allem entlang der Magistralen – also Hauptverkehrsstraßen entlang des Ring 2 – sei gewaltig.

Allerdings gelte: „Oftmals wird in attraktiven aber bereits hochverdichteten Stadtteilen wie Ottensen oder Hoheluft West weiter nachverdichtet, obwohl klar ist, dass genau die als richtig erkannten Ziele nicht erreicht werden können.“ Daher müsse Stadtplanung „eine gute Balance zwischen den unterschiedlichen Interessen“ verfolgen.

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