Ostern 2021. Foto: Trine zimmermann

Corona-Pandemie: Senat verkündet Ausgangssperre
zwischen 21 und 5 Uhr, Testpflicht für Schüler, Maskenpflicht am Arbeitsplatz

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat der Hamburger Senat weitreichende Einschränkungen beschlossen und Regeln verschärft. Bis zum 18. April gilt jetzt zwischen 21 und 5 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre. Auch der Einzelhandel muss um 21 Uhr schließen. „Die Lage ist ernst und erlaubt kein halbherziges Agieren“, begründete Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank.
„Wir schicken die Polizei in einen schwierigen Einsatz“, sagte Innensenator Andy Grote, „aber zwei Drittel der bisherigen Verstöße gegen Corona-Bestimmungen sind in die Zeit zwischen 21 und 5 Uhr gefallen.“ Das Allein-Spazierengehen in der Nachbarschaft bleibt nachts erlaubt. Der Besuch beim Frisör ist nur mit negativem Corona-Test möglich.
Während die CDU die Ausgangssperre unterstützt („Ultima Ratio der Corona-Eindämmungsmaßnahmen), kommt von den Linken heftige Kritik. „Es wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn das Freizeitverhalten drastisch eingeschränkt wird, während das Arbeitsleben weitgehend unreguliert bleibt“, findet Deniz Celik, Gesundheitsexperte der Linken. Die AfD lehnt die Regelung komplett ab.
Zur Lage: Das Corona-Virus breitet sich weiter rasant aus, besonders auch bei Kindern und Jugendlichen. Die deutlich gefährlichere britische Mutante dominiert. In den Bezirken Harburg und Mitte liegt die Inzidenz – das ist die Zahl der neu Erkrankten je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen – längst deutlich über 200, der Hamburger Wert hat 160 überschritten.

Die Hauptstrategie
lautet: Sehr viele Schnelltests, um
die dritte Welle
abzuschwächen
Peter Tschentscher
Erster Bürgermeister

Mediziner erwarten in den nächsten Wochen wesentlich mehr Patienten auf Intensivstationen. „Wenn wir auf die Bremse drücken – mit einem harten Lockdown – dann ist dieser Bremsweg mehrere Wochen lang“, sagte UKE-Professor Stefan Kluge dem NDR.
Inzwischen kann auch der Impfstoff von AstraZeneca nicht wie geplant eingesetzt werden. Mit ihm sollte unter anderem das Personal in Kitas und Grundschulen geimpft werden. Wegen schwerwiegender Nebenwirkungen, vorwiegend bei Frauen unter 55 Jahren, ist AstraZeneca nur noch für über 60-Jährige zugelassen. Kita- und Schulbeschäftigte müssen länger auf ihre Impfung warten.
Umso wichtiger sind funktionierende Schnelltests. „Die Hauptstrategie lautet: „Sehr viele Schnelltests, um die dritte Welle abzuschwächen“, erklärte Bürgermeister Peter Tschentscher.
Die bisher freiwillligen Selbsttests an Schulen für Schüler werden ab sofort verpflichtend. Ohne Selbsttest ist keine Teilnahme am Unterricht mehr möglich. Nicht getestete Schüler erhalten Distanzunterricht. Ob sich auch Lehrer testen müssen, teilte die Schulbehörde trotz mehrfacher Anfrage nicht mit. Klar ist: Sollte die Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 200 liegen, werden die Schulen geschlossen es gibt dann ausschließlich Distanzunterricht.
Das Corona-Virus macht auch vor Kitas nicht Halt. Ende März waren 16 Kitas wegen Corona-Ausbrüchen behördlich geschlossen. Deswegen gehen Kitas jetzt zurück in die erweiterte Notbetreuung. Wenn möglich, sollen Kinder nicht in die Kita geschickt werden. Das Problem: In Kitas werden bislang nur Beschäftigte getestet, keine Kinder. Sozialsenatorin Melanie Leonhard hat einen Modellversuch für freiwillige Kindertests an 16 Hamburger Kitas angekündigt.
Deutlich mehr getestet werden soll auch an den Arbeitsplätzen. Peter Tschentscher: „Alle Unternehmen, die in Präsenz arbeiten, sollen ihren Beschäftigten zweimal wöchentlich Schnelltests anbieten.“ Falls die Firmen hier nicht freiwillig mitziehen, wird in Hamburg eine gesetzliche Regelung eingeführt. Am Arbeitsplatz gilt Maskenpflicht, wenn mehrere Personen in einem Büro arbeiten.
Die Angebote für Hamburger, sich einmal wöchentlich kostenlos testen zu lassen, wurden ausgebaut. Gerade haben in der Fischauktionshalle sowie Am Wall 20 im Zentrum von Harburg (hier gibts auch Tests ohne Termin) zwei große Testzentren eröffnet. Der gesamte Hamburger Süden, speziell Wilhelmsburg und auf der Veddel, sind nach wie vor massiv unterversorgt. „Ich erwarte, dass sich die Testkapazitäten weiter erhöhen werden“, sagt der Wilhelmsburger Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi (SPD).
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert für die Bezirke Harburg und Mitte die Einführung von Corona Guides. „Die könnten aufklären und Tests und Masken anbieten. Hier waren Bremen und Berlin mal wieder schneller, dort gibt es die Guides bereits“, sagt Hamburgs SoVD-Vorsitzender Klaus Wicher.
Bürgermeister Tschentscher setzt wegen der angekündigten hohen Impfstofflieferungen auf den Impffortschritt: „Dort wo wir konsequent impfen, geht die Infektionsrate deutlich zurück. Das stimmt mich optimistisch. Es gibt Licht am Ende des Tunnels.“

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