Denkmalgeschützes Dach und marode Anbauten: die Schilleroper rottet im Frühjahr weiter vor sich hin. Foto: Regina Wagner

Schilleroper: Initiative befürchtet das Schlimmste

Horst Baumann, St. Pauli

Jeden Donnerstag stehen Anwohner vor der Schilleroper, um auf das vergessene Wahrzeichen von St. Pauli hinzuweisen. „Wir befürchten einen Abriss durch die Hintertür und sehen eine akute Gefahr für die denkmalgeschützte Stahlkonstruktion“, so die Mitglieder der Schilleroper-Initiative. Die Mahnwachen vor dem 130 Jahre alten Gebäude beginnen um 18 Uhr.

Wie wiederholt berichtet, droht das Stahlgerüst der Schilleroper zu verrotten. Die Eigentümerin des Gebäudes will dort Wohnungen bauen. Sie hatte sich gerichtlich verpflichtet, die Stahlkonstruktion bis Jahresende 2020 zu sichern, diese Frist aber verstreichen lassen. Das Denkmalschutzamt hat angekündigt, das Dach nun selber zu sanieren und der Eigentümerin die Kosten in Rechnung zu stellen („Ersatzvornahme“).

Mit den Arbeiten am Objekt wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 begonnen werden
Antwort des Senats

Eigentümerin wollte Prüfstatiker nicht reinlassen
Die Antworten des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Heike Sudmann (Die Linke) zeigt, dass Eigentümerin und Stadt Hamburg sich momentan einen Kleinkrieg um die Dachsanierung liefern.

Wie aus der Senatsantwort hervorgeht, will die Eigentümerin die nicht denkmalgeschützten Teiler der Schilleroper abreißen lassen. Ein entsprechender Antrag wurde am 26. Januar gestellt. Die Initiative befürchtet „das Schlimmste – dass auch die denkmalgeschützte Rotunde (runde Dachkonstruktion, Anm. d. Red.) dem Abbruch der steinernen Bauten rund um die Stahlkonstruktion zum Opfer fällt“. Teile der Stahlkonstruktion seien durch den jahrelangen, bewusst in Kauf genommenen Verfall sowie zahlreiche Umbauten auf das umgebende Mauerwerk als Stütze angewiesen.
Das Denkmalschutzamt scheint auch Zweifel an der Standfestigkeit der Konstruktion zu haben: Ein Prüfstatiker wollte die Schilleroper deshalb von innen besichtigen, doch am 2. Februar wollte ihn die Eigentümerin nicht reinlassen. Erst nach einer entsprechenden Verfügung übergab die Eigentümerin dem Amt am 17. Februar die Schlüssel.

Das Denkmalschutzamt hat ein Ingenieurbüro mit der Sanierung der Rotunde beauftragt. Dafür läuft derzeit die Ausschreibung für die Handwerksleistungen. Auch die erforderliche Baugenehmigung steht noch aus. „Mit den Arbeiten am Objekt wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 begonnen werden“, so der Senat in seiner Antwort auf die Sudmann-Anfrage.

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