Fast 900 S- und Fernbahnzüge sind täglich auf den vier Brücken über der Schanzenstraße unterwegs. Foto: mg

Von Mateo Schneider. Nicht wenige im Stadtteil fühlen sich an einen legendären Silvesterscherz erinnert: Dieselbe Prozedur wie bei jeder in die Jahre gekommenen Brücke. Nach denen in der Lippmann- und in der Bartelsstraße, im Schulterblatt und den Plänen für die Sternbrücke soll nun mit der Brücke Schanzenstraße das letzte der um die vergangene Jahrhundertwende errichteten Eisenbahnbauwerke zwischen Altona und dem Hauptbahnhof abgerissen werden.

Abriss und Neubau dauern von 2024 bis 2026

Nicht wenige fühlen sich bei der Art des Vorgehens ebenfalls an den Silvesterscherz erinnert. Auch diesmal legten sich Deutsche Bahn, Senat und Denkmalschutzamt in internen Gesprächen auf Abriss und Neubau zwischen Mitte 2024 und Mitte 2026 fest. In diesem Zeitraum soll die Schanzenstraße komplett gesperrt werden.

Auch diesmal wurde völlig unbeeindruckt von massiver Kritik an ähnlichen Plänen für die Sternbrücke auf eine Beteiligung der Bevölkerung verzichtet. Geblieben ist eine „Gestaltungsdiskussion“, über die Art des Brückengeländers, die Gestaltung der Sockelleisten und die Verklinkerung.

Auch diesmal ähnliche Begründungen: Das 1903 errichtete, aus vier Brücken bestehende Bauwerk über der Schanzenstraße, über das täglich fast 900 Personenzüge verkehren, „erreicht das Ende seiner technischen Lebensdauer“, so die Bahn. Zudem kann das Tragwerk „zukünftigen Belastungen aus dem Eisenbahnverkehr nicht mehr Standhalten.“ Geplant ist bei Wegfall der Stützen eine um drei Meter verringerte Durchfahrbreite.

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. „Schon wieder soll ein eisenbahngeschichtliches und industriehistorisch bedeutsames Brückenbauwerk der Spitzhacke zum Opfer fallen. (. . . ) Der Denkmalschutz wird ein weiteres Mal schnödem Finanzkalkül untergeordnet“, so Michael Jung, Sprecher der Verkehrsinitiative Prellbock Altona. Ersetzt „durch eine massive, gesichtslose DB-Einheitsbetonbrücke.“

Ein weiterer Vorwurf: Die Bahn nutze ihre Infrastruktur absichtlich auf Verschleiß. Der Grund: Instandhaltungen muss sie aus ihrem Etat bezahlen, Neubauten zahlt der Bund. Ein „Systemfehler“, den auch der Bundesrechnungshof und Verkehrswissenschaftler seit Jahren kritisieren.

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