Der Ottenser Apotheker Simon Oetter spendet die Hälfte seines Gewinns aus dem Maskenverkauf für gute Zwecke. Foto: cvs

Weiße, kaffeefilterartige Tüten bestimmen den Alltag der Stadt: Seitdem die Bundesregierung im Januar beschlossen hat, dass im öffentlichen Raum nur noch medizinische Mundschutze getragen werden dürfen, sind die sogenannten FFP2-Masken (für „Filtering Face Piece“) zum gefragten Gut geworden. Über-60-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen erhalten sie für wenig Geld in der Apotheke.

Diese macht jedoch ihrerseits einen satten Gewinn: Sechs Euro betrug der Zuschuss des Bundes pro verkaufter Maske noch bis Anfang Februar, was offiziell mit dem gestiegenen Arbeits- und Organisationsaufwand begründet wurde. Inzwischen liegt die Erstattung bei knapp vier Euro – was bei einem Einkaufspreis von ein bis zwei Euro pro Maske (manchmal auch darunter) immer noch ein ordentliches Zubrot für den Verkäufer bedeutet.

Initiative ging von „Schnackschraubern“ aus

Simon Oetter, Inhaber der Victoria-Apotheke in der Bahrenfelder Straße, hat sich dazu entschlossen, die Hälfte seines Gewinns an eine Hilfsorganisation weiterzugeben. „Gerade von den Spenden aus privater Hand fallen zurzeit aufgrund der Coronakrise viele weg“, sagt Oetter. „Ich finde, wenn es einem selbst gut geht und man es sich leisten kann, sollte man etwas für das Gemeinwohl tun.“

Nutznießer der Aktion ist in diesem Fall der Verein Hanseatic Help, der Geflüchtete und Obdachlose unterstützt. Ein Teil der Summe geht an den Hamburger Hilfskonvoi, der europäische Flüchtlingscamps mit Kleidung und anderen Hilfsgütern versorgt. Laut Presseberichten sind inzwischen auch andere Apotheken auf den Zug aufgesprungen und leiten ihren Gewinn – oder zumindest einen Teil davon – an Einrichtungen wie das Kinderhospiz oder das Tierheim weiter – oder sie fordern ihre Kunden direkt zum Spenden auf.
In Ottensen kam der Anstoß im Übrigen nicht von der Apotheke selbst, sondern von dem Altonaer Jochim Maack. Seit mittlerweile fünf Jahren engagiert sich der umtriebige Mittsechziger bei der Bahrenfelder Initiative „Die Schnackschrauber“, wo auf ehrenamtlicher Basis Fahrräder für Geflüchtete und andere Bedürftige zusammengeschraubt werden. „Einerseits finde ich es einen Skandal, derartig mit Steuergeldern umzugehen, wo andere es doch viel dringender bräuchten“, sagt Maack. Andererseits könne die Aktion auch etwas Gutes bewirken. „Ich hoffe nun darauf, dass sich noch weitere Nachahmer finden.“

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