Ein Zuckerei kann man auch verfeinern, etwa mit Likör. Foto: KaisaPL/wikimedia.org

Neues vom Nachbarn – Wochenblatt-Kolumne von Oliver Lück

Mal ehrlich, wer hätte gedacht, dass so etwas Einfaches wie Zucker-Ei die ganze Welt zu bewegen scheint. In der letzten Woche haben mich seit Erscheinen der zuckrig-eiigen Kolumne, in der ich erzählte, was meine Brüder und ich in den Siebzigern mindestens einmal die Woche als Nachtisch serviert bekamen, Leserbriefe mit vielen guten Ratschlägen erreicht, darunter auch Rezeptvariationen, was vor allem die zusätzlichen hochprozentigen Zutaten angeht.

Angelika aus Kirchdorf schreibt, dass sie das Zucker-Ei erst durch ihren (inzwischen Ex-)Mann aus Flensburg kennenlernte, den sie im Gegenzug mit der böhmischen (Knoblauch-)Küche bekannt machte. Angelika: „Hier noch einige Finessen: Eiweiß und Zucker zu einem seidig glänzenden Schaum schlagen und dann erst die Dotter ganz kurz unterrühren. Wenn Alkohol, dann empfehle ich Irish Cream Likör. Passt perfekt!“

Ja, ich habe viel gelernt über Zucker-Ei. So wusste ich nicht, dass es schon sehr viel älter ist. Marianne aus Schenefeld: „Ich erinnere mich, dass wir Kinder diese Zusatzsüßigkeit regelmäßig in den fünfziger Jahren als Aufbaukost, ähnlich wie Lebertran, bekamen. Oft kam ein Löffelchen Rotwein daran, jaha, auch für uns Kinder. Ich mochte es nicht, wurde aber trotzdem damit gemästet. Heute weiß ich, dass ich eine Allergie gegen Alkohol habe und das Zucker-Ei deswegen nie vertragen konnte. Aber darauf nahm man früher keine Rücksicht – nur die Harten komm‘n in‘n Garten!“

Horst aus Wedel meldete sich via Mail: „Der Ruhm des Zucker-Eis reicht wahrscheinlich noch weiter in die Tiefe des 20. Jahrhunderts zurück. Mir liegt er seit den Jahren zwischen 1945 und 1950 auf der Zunge. Eine Variante war Zucker-Ei mit ,Brocken‘: harte Brotreste, die zu Würfeln geschnitten, auch mit warmer Milch, etwas Butter und Zucker wieder aufgeweicht und verputzt werden konnten. Hmm … Vielleicht mal wieder eine Alternative zum Frühstück …“ Ja, unbedingt, Horst!

Und auch Barbara aus Stellingen denkt in ihrem Brief gerne zurück an ein Dessert, das es zu Kindergeburtstagen immer gab – die „errötende Jungfrau“: „Eiweiß plus Zucker geschlagen, dazu Johannisbeersaft. Überirdisch lecker!“ Wer den unübertrefflichen Namen erfunden hat, bleibt leider unklar.

 

Oliver Lück.
Foto: www.heiderose-gerberding.com

Oliver Lück

ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)

 

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

 

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