Für jeden wegen der Corona-Krise für die Streichung vorgesehenen Arbeitsplatz ein schwarzer Klappstuhl – so wurden die 2.264 Einzelschicksale veranschaulicht. Foto: wit

Paul Weißhaar hat nach 16 Jahren bei Airbus aufgehört, um
sich als Unternehmensberater selbstständig zu machen

Wolfgang Wittenburg, Hamburg. Mitten in der Corona-Krise hat Paul Weißhaar seinen sicheren Job bei Airbus in Finkenwerder freiwillig aufgegeben – um sich als Unternehmensberater selbstständig zu machen. Im Wochenblatt-Interview erklärt der 34-Jährige, was ihn zu diesem Schritt veranlasst hat.

Wie hat ihr Umfeld auf die Kündigung reagiert? Immerhin hatten sie 16 Jahre bei Airbus gearbeitet. „Viele haben erst einmal geschockt reagiert, meine Eltern und auch meine Schwester hatten große Bedenken. Sie meinten, ich solle mir diesen Schritt mindestens zehnmal überlegen. Direkt nach der Schule hatte ich eine bei Airbus eine Ausbildung zum Fluggeräte-Mechaniker angefangen und mich in all den Jahren ziemlich erfolgreich hochgearbeitet. Für Viele in meinem Umfeld war ich gerade deswegen ein Vorbild. Ich habe auch selber niemals gedacht, dass ich dieses großartige Unternehmen Airbus irgendwann einmal verlassen werde.“

Warum haben Sie im Juli 2004 bei Airbus angefangen? „Bei mir hat alles mit der großen Liebe zur Fliegerei begonnen. Ich bin auch privat Pilot und immer noch Mitglied in der Airbus-Motorfluggruppe. Als ich das Airbus-Werk und diese großen Flugmaschinen gesehen habe, war ich absolut fasziniert! Und ich muss ehrlich sagen, als ich meinen nagelneuen Blaumann mit dem schönen Airbus-Logo auf dem Rücken abgeholt habe, war ich stolz wie Bolle! Ich wollte den Blaumann selbst in meiner Freizeit nicht mehr ausziehen.“

Was passierte dann? „Im Alter von 25 wurde ich das erste Mal befördert. Damals durfte ich in Frankreich ein kleines Work-Team leiten, um die Restarbeiten des Programmes A 350 zu komplettieren. Dann habe ich angefangen, mich mit der Thematik Führung auseinander zusetzen. Der erste Gedanke, mich beruflich zu verändern, kam 2018, nachdem ich das Buch ‚Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer‘ von Stefan Merath gelesen hatte.“

Airbus hat also alles richtig gemacht? „Ich bin alle drei Jahre befördert worden und war bei Airbus erfolgsverwöhnt. Nun sollte die nächste Beförderung für mich anstehen, ich hätte ein größeres Team mit mehr Verantwortung übernehmen müssen und war deshalb in mehreren Gesprächen. Aber ,dank‘ Corona wurden alle Versetzungen, Beförderungen und Neueinstellungen auf unabsehbare Zeit gestoppt. Für mich war das wie eine Bremse in meiner persönlichen Weiterentwicklung. Mir war klar, hier kannst du jetzt nicht deinen nächsten Wunsch-Job in Angriff nehmen.“

Deswegen die Trennung von Airbus? „Ich wollte für mich die nächste Challenge. Das konnte Airbus mir aufgrund von Corona nicht bieten. Verständlicherweise, denn das Unternehmen muss viele Stellen abbauen, Abteilungen werden verkleinert und Bereiche fusioniert. Ich sehe mich mittlerweile als Experten für das Thema Führung, insbesondere bei Veränderungsprozessen, und ich besitze eine große digitale Affinität. Deshalb habe ich mir gedacht, jetzt ist der beste Zeitpunkt, um etwas eigenes auf die Beine zu stellen.“

Wie sieht ihr Plan aus? „Mein Plan ist, meine eigene Unternehmensberatung zu gründen. Meine Aufgabe soll sein, Firmen, insbesondere Führungskräfte, bei Veränderungsprozessen zu begleiten. Erst einmal starte ich als Freelancer, so dass ich eigenverantwortlich arbeite. Übrigens habe ich auch schon Aufträge und das ist prima. Ich darf eine Nachhilfeschule dabei unterstützen, in die Digitalisierung zu gehen.“

 

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