HSV-Goalgetter Simon Terodde hadert mit einer Schiedsrichterentscheidung. Fotos: claus bergmann

Fußball: Sportwissenschaftler Broder-Jürgen Trede über seine Liebe zum HSV und das Lokalderby am Montag beim FC St. Pauli

Volker Stahl, Hamburg. Obwohl sein 2008 verstorbener Onkel Diether Trede einst in der Oberliga Nord seine Fußballstiefel als Außenstürmer für Holstein Kiel schnürte, verliebte sich Neffe Broder-Jürgen Trede in die Raute und verlor sein Herz an den Hamburger SV. Seinen Helden Jochenfritz Meinke, Uwe Seeler und Joris Mathijsen war und ist er nicht nur als Fan verbunden, sondern auch als Journalist. Am kommenden Montag, 1. März, Anpfiff: 20.30 Uhr, wird Trede über das 138. Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV im Rothosen-Rundfunk berichten. Ein Interview mit dem Fußballjunkie über das Lokalderby in der 2. Bundesliga, für das er einen 2:1-Sieg seines HSV voraussagt.

Wo verbringen Sie den Montagabend? Im Stadion? Ja, ich werde das Geschehen live vor Ort verfolgen können. Normalerweise vermeiden wir vom HSVnetradio in diesen Pandemie-Zeiten alle Reiseaktivitäten und reportieren unsere Auswärtsspiele von unserem Büro im Volksparkstadion aus live via Bildschirm. Beim Stadtderby gilt diese selbst auferlegte Beschränkung aber nicht, zumal der Weg von meinem Zuhause zum Millerntor sogar kürzer ist als zum Volkspark.

Wie kamen Sie zur Raute? Mit dem Bus. Im November 1986: Betriebsausflug der Insel-Meierei Föhr ins Volksparkstadion zur Bundesliga-Partie HSV gegen Borussia Dortmund. Der Vater meines Grundschul-Freundes und Sitznachbarn war der Meierei-Chef. So durfte ich mitfahren. Wir erlebten ein spektakuläres 4:2 unter Flutlicht und im strömenden Regen. Für mich prägend und unvergesslich. Die Torschützen werde ich wohl ewig aufsagen können, so wie der selige Walter Jens einst die Eimsbütteler Sturmreihe: zweimal Miroslav Okonski, Sascha Jusufi und Ralf Balzis für den HSV, zweimal Nobby Dickel für den BVB.

Tempi passati. Heute ist der HSV zweitklassig und verlor zuletzt beim Schlusslicht. St. Pauli rockt aktuell mit Offensivfußball die Liga. Wer ist Favorit?
HSV-Trainer Daniel Thioune hat kürzlich gesagt: ,In der 2. Liga sind wir immer in der Favoritenrolle.‘ Das sehe ich auch so, füge aber extrem phrasenschwein-verdächtig hinzu: Das Derby hat seine ganz eigenen Gesetze. Was vorher war, ist in diesem Spiel nicht von Bedeutung.

Ein Wort zur Formkurve des HSV. Welche Spieler machen derzeit Hoffnung? Simon Terodde, der wie im Hinspiel auch jetzt wieder knipsen wird. Länger als zwei Spiele hat die Torfabrik keine Produktionspause. Dazu Stephan Ambrosius und Sven Ulreich, die mit ihrer Einsatzfreude und Erfahrung den Laden hinten dichthalten werden.

Und St. Pauli? Bitte einen Satz zum Trainer! Schulle hat mir schon 2010 mit seiner herausragenden David-Jarolim-Parodie imponiert, aktuell gefällt mir besonders die unaufgeregte, ja ich möchte sagen norddeutsche Art, mit der er sowohl mit Siegen als auch Niederlagen umgeht.

St. Paulis Torjäger Burgstaller hat in den letzten sieben Spielen getroffen … Burgstaller? Jeder Lauf endet mal. Der von Guido am Montagabend.

Die Frage der Fragen: Schafft der waidwunde Ex-Dino dieses Mal den Aufstieg? Ja. Dafür sprechen die Qualität des Kaders und der sportlichen Führung. Bewahren diese Personen in ihrer Corona-Blase die Ruhe und den Zusammenhalt, werden sie die permanent von außen produzierte Aufgeregtheit und das zum Teil zerstrittene Umfeld des Großvereins nicht stoppen können.

 

Zur Person: Sportwissenschaftler Broder-Jürgen Trede (46) wuchs als Pastorensohn auf den Inseln Föhr und Fehmarn auf. Aktiv einst als lauf- und kopfballstarker Sechser für Cosmos Nieblum und den SV Fehmarn, mittlerweile beobachtend als Live-Reporter für blinde und sehbehinderte Fernsehzuschauer und Stadionbesucher sowie fürs HSV-Vereinsradio. Kürzlich veröffentlichte er zusammen mit Ralf Klee das Buch „Fußballheimat Hamburg“ (Arete Verlag, 18 Euro).

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