Tausende Wilhelmsburger setzten sich für den Erhalt ihrer Stadtteilklinik ein.Foto: aktion-gross-sand-bleibt

Erzbistum verhandelt mit Interessenten über den Verkauf des Wilhelmsburger Stadtteilkrankenhauses – „Anpassungen im Leistungskonzept“ angekündigt

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg. Der angekündigte Zeitplan stellt die Geduld aller auf eine harte Probe. Es gibt mehrere Interessenten, die das Krankenhaus Groß-Sand vom Erzbistum Hamburg übernehmen möchten. Bis zum 12. März sollen Angebote vorliegen, Ende Juni soll der neue Träger gefunden und ein Vertrag unterschrieben sein. Dies teilte Domkapitular Bertold Bonekamp auf der digitalen Sondersitzung des Gesundheitsausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft mit.
Die Überführung Groß-Sands in die dem Erzbistum gehörenden Ansgar-Gruppe (Marienkrankenhaus Hamburg, Kinderkrankenhaus Wilhelmstift und Marienkrankenhaus Lübeck) hatte wegen der hohen Schulden der Wilhelmsburger Klinik nicht geklappt. „Die Ansgar-Gruppe wäre sofort insolvent“, so Bertold Bonekamp. Deswegen verhandelt das Erzbistum, unterstützt von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, seit Monaten mit nicht-konfessionellen Interessenten.
Ob im Bieterwettbewerb um die Wilhelmsburger Stadtteilklinik ein „am Gemeinwohl orientierter Bewerber“ zum Zug kommt? „Gemeinwohl braucht eine gewisse Rendite, um auch investieren zu können“, sagt Domkapitular Bonekamp, ohne Namen von Interessenten zu nennen.
Klar scheint: Es kann und wird in Groß-Sand auch mit einem neuen Träger nicht weitergehen wie bisher. „Wir möchten das Krankenhaus im Bestand erhalten, es Bedarf aber sicherlich Anpassungen, auch im Leistungskonzept“, teilt Erzbistumsvertreter Bonekamp mit. 81 Prozent der Leistungen würden ambulant erbracht. „Uns fehlen die schwierigen Fälle.“
In welcher Form Chirurgie und Notaufnahme bei einem neuen Träger erhalten bleiben, steht nicht fest.
„Man wird bestimmte medizinische Schwerpunkte setzen müssen“, orakelt Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Die Behörde werde darauf einwirken, dass eine gute medizinische Versorgung erhalten bleibe. „Die Stadt kann aber nicht hingehen und das Haus einfach übernehmen.“ Die letzte Entscheidung liegt beim
Erzbistum.
Manuel Humburg, der als Vertreter der Initiative „Groß-Sand bleibt“ an der Sitzung teilnahm, zog ein ernüchterndes Fazit: „Für die Menschen, die betroffen sind, ist kein Aufbruchsignal zu erkennen. Politik und Behörde müssen stärker eingreifen.“
Und der Wilhelmsburger Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdie (SPD) kommentiert: „Zu meinem großen Bedauern geht die Nervenprobe für die Beschäftigten des Krankenhauses Groß-Sand weiter. Mitten in der Corona-Pandemie wo die Belastung ohnehin schon groß ist, bleiben die Beschäftigten weiter über ihre Zukunft im Dunkeln. Das Krankenhauspersonal und der gesamte Hamburger Süden haben ein Recht zu erfahren, wie es mit Groß-Sand weitergeht. Das ist eine Frage des Respekts und des Anstands. Hinterzimmerdeals auf Kosten der Beschäftigten darf es nicht geben.“

Kurz & Knapp
Das 200-Betten-Krankenhaus Groß-Sand ist, wie viele andere kleinere Kliniken, unrentabel. Das finanziell klamme Erzbistum Hamburg, Eigentümer der katholischen Klinik, möchte Groß-Sand verkaufen.
Sozialbehörde, Erzbistum Hamburg, Krankenkassenverbände, die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg und der Bezirk Mitte versuchen gemeinsam, eine für den Stadtteil verträgliche Lösung zu finden. Die Stadt hat finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Aber die letzte Entscheidung liegt beim Erzbistum.

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