Peter Sebastian in seinem Rönneburger Büro. Foto: andre lenthe fotografie

Olaf Zimmermann, Hamburg. Einige Berufsgruppen leiden besonders unter dem Lockdown. Bei Schlagersänger Peter Sebastian sind seit Monaten alle Auftritte weggefallen.

Wie kommt ein Soloselbstständiger wie Sie durch den Lockdown? Da müssen wir durch, denn außer den Pandemie-Experten hatte wohl keiner damit gerechnet, dass wir seit Monaten den „Corona-Pandemie-Blues“ tanzen müssen, der unvorhersehbare Narben in der Gesellschaft hinterlässt und auch weiterhin hinterlassen wird. Aber die größte Angst ist für mich, dass wir noch jahrelang mit der Pandemie leben werden oder dass sich neue Pandemien ausbreiten.
Ich muss aber eingestehen, dass ich keine Langeweile habe, denn durch meine Botschaftertätigkeit für die Unfallgeschädigten Kinder versuche ich aus dem Homeoffice heraus Spenden zu generieren;
dass ich an meinem neuen Album „Carpe Diem gearbeitet habe und dass mich meine Fans und Freunde über Social-Media-Austausch auf Trab halten. Denn das Schlimmste wäre für mich, wenn man die Präsenz reduzieren würde. Ich gebe aber keine „Wohnzimmerkonzerte“, vielmehr teile ich bei Facebook meine telefonische Erreichbarkeit mit und plaudere, höre zu, motiviere und mache Menschen dadurch ein bisschen Mut – so dass Sie nach dem Telefonat mit einem Lächeln auflegen.

Gibt es für Künstler ausreichend staatliche Hilfen, um die gröbste Not zu lindern?
Wie alle Künstler befinde ich mich im quasi „Stage-Zwangsurlaub“. Da ich nie auf großem Fuß gelebt habe und bodenständig geblieben bin, habe ich mein verdientes Geld nie zum Fenster rausgeworfen und kann auf kleine Rücklagen zugreifen. Aber lange reichen die auch nicht mehr.
Beim ersten Lockdown gab es im April zwar die „Corona-Soforthilfe“ für Betriebsausgaben. Private Ausgaben wie Krankenversicherungs-Beiträge, Miete und allgemeine Lebenshaltungskosten durfte man damit nicht ausgleichen. Dann gab es noch die Novemberhilfe mit bis zu 5.000 Euro für Solostelbstständige. Die tatsächliche Höhe aber richtete sich nach dem Umsatz des Vorjahres. Wenn man in meinem Fall die beiden Subventionen auf die bisherige Dauer der Pandemie – ohne Auftritte – ausrechnet, freut man sich und ist dankbar darüber, aber es deckelt nachhaltig nicht alles.
Anmerken darf ich, dass ich im Segment Schlager als Texter zuhause bin. Würden in der jetzigen Zeit meine Lieder in den öffentlichen Rundfunkanstalten gespielt werden, hätte ich GEMA-Einnahmen und bräuchte die staatlichen Subventionen nicht. Aber viele öffentlich-rechtliche Sender haben den Schlager aus den Programmen verbannt. Für Komponisten, Texter und Verlage ist das irgendwie ein zusätzlicher „Finanzieller Lockdown“.

Nicht wenige Kulturschaffende haben sich, um über die Runden zu kommen, Aushilfsjobs zugelegt. Sie auch? Bisher habe es mir keinen zugelegt, aber warten wir es ab, wie lange wir uns in diesem „Ausnahmezustand“ tummeln müssen. Ich wäre aber nicht abgeneigt, in einer anderen Branche zu malochen. Sollten Restaurants wieder geöffnet haben, dann könnte ich auf meinen erlernten Beruf als Restaurantfachmann zurückgreifen. Hätte ich auch Bock dazu.
Ich bin aber auch sehr dankbar darüber, dass sich liebe und langjährige Freunde von mir melden und mir ihre Hilfe anbieten. Das war für mich der reinste Wahnsinn, und so konnte ich auch mit Blick in die Zukunft die Lockdown-Zeit nutzen, um heute mein aktuelles Album auf den Markt zu bringen. Fakt ist: Der Verkauf ist derzeit meine einzige Einnahmequelle.

Was macht ein Schlagersänger, der nicht auftreten kann, den ganzen Tag? Der Alltagsablauf ist nicht gravierend anders. Mein Tag beginnt stellenweise bereits um sechs Uhr. Mit einer Tasse Kaffee bewaffnet, checke ich zuhause erst einmal die Mails und anschließend verweile und schnacke ich ein bis zwei Stunden mit einigen Freunden und Förderkreismitgliedern auf Facebook, erledige meinen Haushalt und dann fahre oder laufe ich in mein Büro am Reeseberg.
Derzeit steht Einiges an Aktivitäten für mein neues Album an. So war ich am Montag zum Interview in Saarbrücken und auch beim Belgischen Rundfunk, am 12. Februar bin ich zum Interview beim NDR 1 Radio Niedersachsen eingeladen. Und in meiner Funktion als Vorsitzender des Förderkreises und Botschafter des „Gemeinnützigen Jugendwerkes unfallgeschädigter Kinder“ sind wir in Planung für ein witziges Kümmelchen-Memory-Spiel.

Wie schwer fällt es, auf Kontakte zu Freunden zu verzichten? Die physischen Kontakte fehlen natürlich, aber wir alle erkennen die Notwendigkeit der Einschränkungen und halten uns aus Rücksicht an die noch anhaltenden Regeln. Logisch, dass die Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit Verwandten, Geschäftspartnern, Freunden groß ist. In dieser doppelten Notsituation agieren ich pragmatisch und benutze die digitalen Kommunikationsarten wie Zoom, Skype, WhatsApp und Co., aber auch das Telefon. Was ich feststelle ist aber, dass plötzlich sogar mehr Kontakte gepflegt werden, als vor der Pandemie. Ich freue mich aber schon wieder darauf, wenn nach dieser Abstinenz einfach wieder alles „normal“ ist. Dann werde ich erst einmal fünf Tage Urlaub machen und den genieße ich zuhause.

Werden Sie sich gegen Corona impfen lassen? Ganz wohl ist mir dabei nicht. Zudem wirken Impfungen nicht 100-prozentig, aber durch meine überstandene Krebserkrankung gehöre ich in die „Risikogruppe“. Andererseits habe ich bei Impfungen nie Probleme gehabt. Gegen Grippe lasse ich mich jedes Jahr impfen. Dazu kam auch eine Pneumokokkenimpfung. Um mich selbst, aber auch um andere zu schützen, würde ich mich mit meinem Arzt beraten und bei einem OK auch impfen lassen.

Wie laufen die Vorbereitungen zur 35. Starpyramide? Für 2020 musste die Harburger Kult- Benefizveranstaltung „Starpyramide“ in der Friedrich-Ebert-Halle abgesagt werden. Künstler und Sponsoren begrüßten die Verschiebung. Die vorläufige Planung sieht den 28. November 2021 vor. Sobald sich die Situation verbessert und aus behördlicher Sicht nichts dagegenspricht, werden wir in die Werbung gehen. Ich hoffe nur, dass nach dem Brachliegen von Veranstaltungen, die Akzeptanz der Besucher da sein wird und man sich darüber freut und Tickets kauft.

Peter Sebastian
Peter Sebastian, geboren am 8. Januar 1958 in Fürth als Walter Böhringer, ist ein deutscher Sänger, Liedtexter, Musikproduzent und Rundfunkmoderator. Er lebt in Rönneburg. Neben seiner Tätigkeit als Sänger gründete er die Plattenfirma Toi Toi Toi Records und widmet sich als Texter und Produzent auch anderen Künstlern.
Seit 1987 organisiert Peter Sebastian die immer in der Harburger Friedrich-Ebert-Halle stattfindende Veranstaltung „Starpyramide“ zugunsten des gemeinnützigen Jugendwerkes unfallgeschädigter Kinder der Hamburger Polizei.
Sein aktuelles Album Carpe Diem kann man per E-Mail an info@petersebastian.de oder unter Tel 040 / 763 21 46 beziehen. Es kostet 15 Euro, mit der Zettelbox 25 Euro zuzüglich Versand.

1 KOMMENTAR

  1. Ich finde diesen Bericht sehr ,,Bewegend ,und unglaublich ehrlich ..Und wünsche dem Peter TOI TOI TOI, dafür ,das es bald besser für Ihn und seine Kollegen werden wird..Zu Ihm kann ich nur sagen ,er ist ein ganz grossartiger Mensch und für mich persönlich ein ,,ENGEL „ER IST, EIN WUNDERBARER ZUHÖRER ,EIN ANGSTNEHMER,UND EINER MIT EINEM RIESEN HERZ FÜR DIE KLEINSTEN UND SCHWÄCHSTEN UNSERER GESELLSCHAFT ,FÜR DIE KINDER…und ICH bin einfach nur glücklich ,das ER SO TAPFER IST …..PETER DU BIST MEGA MEGA HAMMER ,DU bist ein KLEINER RIESE…

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