Frommer Wunsch: Längst nicht alle bekommen einen Termin im Impfzentrum an den Messehallen. Foto: mg

In den nächsten Wochen wird die Nachfrage nach
Corona-Schutzimpfungen das Angebot weit übersteigen –
neue Termine gibt es immer donnerstags

Olaf Zimmermann, Hamburg. Zu wenig Impfstoff, kaum Impftermine und ein wenig anwenderfreundliches Terminvereinbarungssystem haben dafür gesorgt, dass sich bei vielen über 80-jährigen Hamburgern jetzt eine Mischung aus Ärger, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung und Resignation ausgebreitet hat. Sicher ist: Auch in den nächsten Wochen wird die Nachfrage nach Impfterminen groß, das Angebot aber klein sein. Neue Termine werden ab sofort immer donnerstags bereitsgestellt.
Viele Senioren haben ähnliche Erfahrungen wie der Stellinger Claus Günther (89) gemacht, der seit Tagen vergeblich versucht, für seine Frau (88) und sich im Internet und/oder telefonisch einen Impftermin zu ergattern.
„Ich hatte einen Ersttermin für mich (glaubte ich), wollte dann einen identischen für meine Frau, konnte beide nicht buchen, dachte, ich müsste den für die Zweitimpfung gleich dazu nehmen, scrollte also weiter runter – und bekam die Bestätigung – aber nur für diesen einen Termin und für eine Person. Den Termin habe ich dann gecancelt. Alles noch mal von vorn.
Erst j e t z t stellte ich fest, dass ich keinen Termin buchen kann, wenn dieser zwar ,vorrätig‘, aber inzwischen vergeben ist – das steht aber weiter oben! Nachdem ich das kapiert hatte, versuchte ich es mit etlichen weiteren “vorrätigen” Terminen, doch die waren inzwischen alle weg, bis auf einen, am Abend. Den habe ich dann auch gecancelt: Ich will mit meiner Frau gemeinsam geimpft werden! Durch das zweimalige Canceln ist nun aber auch mein Code ungültig geworden.
Ich bin am System gescheitert und werde mich auf das Telefonieren beschränken.“
Zumindest in Pflegeheimen scheinen die Corona-Schutzimpfungen durch die mobilen Teams voranzukommen. Bis Ende Februar sollen, so verspricht der Senat, Bewohner in allen Pflegeeinrichtungen beide Schutzimpfungen erhalten haben.
Dass bei der Feuerwehr und beim DRK Harburg – wie berichtet –
Mitarbeiter geimpft wurden, die gar keine Priorität hatten, hat jetzt zu personellen Konsequenzen geführt.

Ich bin am System
gescheitert und
werde mich auf das
Telefonieren
beschränken
Claus Günther (89)
Rentner

Nicht bei der Feuerwehr, aber beim DRK Harburg. Dort wurde am Montag der Vorstand Harald Krüger mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. „Die Entscheidung wurde mit Blick auf einen bevorstehenden, länger andauernden Klinikaufenthalt Krügers getroffen“, heißt es in einer DRK-Mitteilung.
Ob die Corona-Regeln auch in den Betrieben eingehalten werden, wird vom Amt für Arbeitsschutz kontrolliert. Aktuell werden 200 Betriebe unangekündigt überprüft, 500 angeschrieben und zu Stellungnahmen aufgefordert.
Welche Betriebe unter die Lupe genommen werden, ob alle Firmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten darunter sind, bleibt unklar. „Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in Hamburg bereits rund 1.800 Arbeitsschutzkontrollen (Einzelhandel, Friseure, Gastronomie etc.) durchgeführt“, teilte die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz auf Anfrage mit.
Bei Airbus in Finkenwerder waren über 20 Mitarbeiter positiv getestet worden, 500 mussten in Quarantäne. Wann genau wurden dort erstmals Verstöße gegen Hygiene-Bestimmungen festgestellt? Wurde deren Beseitigung überprüft und eine Strafe verhängt? Die Beantwortung dieser Fragen bleibt offen. „Es handelt sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren. Einzelheiten können wir daher zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht mitteilen“, sagt Behörden-Sprecherin Valerie Landau.
Bei der Masseninfektion in einer Bahrenfelder Kita – hier waren 13 von 14 Erziehern sowie 23 Kinder erkrankt – wurde bei ersten Tests nicht die ansteckendere englische Virus-Mutation festgestellt.

Corona-Zahlen
Im zurückliegenden Sieben-Tages-Zeitraum (Stand 2. Februar) sind in Hamburg 1.639 neue Corona-Fälle gemeldet worden (Vorwoche: 1.797). Die „Inzidenzzahl“ – das ist die Zahl der neu Erkrankten je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen – lag bei 86,3 (Stand 2. Februar).
In 38 Pflegeeinrichtungen sind aktuell (Stand 2. Februar) 378 Bewohner infiziert. Schnelltests für Besucher gibt es täglich von 8 bis 16 Uhr in Barmbek, Lämmersieth 38a, und Harburg, Schlachthofstraße 2-3. Mehr Infos findet man unter
>> www.hamburg.de/besucher-schnelltest

Die Hamburger Corona-
Hotline Tel 428 28 4000 ist montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr, sonnabends und sonntag von 7 bis 17 Uhr erreichbar.
>> www.hamburg.de/corona-impfung

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here