Lebensmittelhändler Uwe Maas hat einen anstrengenden Job: „Ich stehe um 4 Uhr morgens auf und bin dann zwischen acht und elf Stunden auf Achse“, erzählt er. Spaß macht es ihm trotzdem: „Ich liebe den Kundenkontakt“, sagt er. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Veddel. Eine kalte Brise weht über den Parkplatz am Sieldeich, auf dem Uwe Maas gerade seinen weißen Mercedes-Transporter abstellt. „Uwes rollender Tante-Emma-Laden“ steht in grüner Schrift auf den Seitenwänden des kastenförmigen Gefährts. Seit über 20 Jahren ist der gelernte Einzelhandelskaufmann im Norden der Republik unterwegs, um Lebensmittel und Haushaltswaren an die Frau oder an den Mann zu bringen.
Normalerweise beschränkt sich sein „Kiez“ auf die Lüneburger Heide – dass er nun auf der Veddel Station macht, ist für Maas, der aus Neuenkirchen bei Soltau stammt, auch neu. „Eigentlich ist der Weg zu weit“, meint der Händler. Finanziell lohne sich die Sache daher eher nicht. Aber als das Bezirksamt Mitte kürzlich bei ihm deswegen anfragte, sagte er trotzdem zu. „Mir macht es einfach Spaß, unter Leute zu kommen. Deshalb habe ich mir den Beruf ja auch ausgesucht!“
Seit Mitte Januar steht der „rollende Tante-Emma-Laden“ jeden Donnerstag ab 13 Uhr auf dem Vorplatz des Penny-Supermarkts, der kurz vor Weihnachten bei einem Brand schwer beschädigt worden war. Als Ersatz sozusagen – wenngleich das Geschäft allein aus Platzgründen kaum mit einem Supermarkt konkurrieren kann. Mehl, Nudeln, Backwaren, Getränke und Konserven bekommt man hier, ebenso Frischware wie Obst und Gemüse. Ein kleines Kühlregal hält außerdem Käse, Aufschnitt und Molkereiprodukte bereit.
Die Veddelerinnen Mirja Frey und Anne Guthmann gehören zu den ersten Kundinnen. Bei Uwe Maas kaufen sie nur ein paar Kleinigkeiten: Eier, Saft, ein paar Äpfel – eben das, was man gerade nicht da hat und wofür der Weg zum „richtigen“ Supermarkt nicht lohnt. Einerseits scheinen sie sich zu freuen, dass der Stopp des „fliegenden Händlers“ in der kontaktarmen Coronazeit Gelegenheit für einen nachbarschaftlichen Schnack bietet – draußen und damit praktisch ohne Ansteckungsrisiko. Davon abgesehen ist die Stimmung allerdings eher mies. „Ich verstehe nicht, dass man uns nicht einen großen Container als Ersatz für den Penny hinstellt“, schimpft Guthmann. In anderen Stadtteilen funktioniere das doch auch. „Wir fühlen uns links liegengelassen“, sagt die Anwohnerin.
So gut wie jeder Veddeler teilt diese Meinung. „Mit Einkaufen sieht es hier generell schlecht aus“, sagt Raymond Wittmann. „Sogar mit Penny hat es hinten und vorne nicht gereicht!“ Die Auswahl sei einfach zu mager. Deshalb fährt der junge Mann regelmäßig per Bus zum Berliner Tor, wo es einen großen Supermarkt gibt. „Der 154er braucht vielleicht 15 Minuten, das ist okay“, sagt Wittmann, der in seinem Stadtteil auch eine Post (bislang gibt es nur einen Kiosk mit entsprechendem Angebot) und eine Drogerie vermisst. Heute ist er nur zum Gucken da. „Ich kaufe nichts“, sagt er. „Zu teuer, zu wenig Angebot.“
Schon seit langem setzt sich Veddels „Stadtteilkümmerer“ Klaus Lübke für bessere Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil ein. „Im Prinzip brauchen wir einen weiteren Supermarkt in ähnlicher Größe“, sagt der SPD-Mann, der sich bei Uwe Maas mit Obst, Eiern und Nudeln versorgt hat. „Auch im Hinblick darauf, dass auf dem Kleinen Grasbrook bald neue Wohnungen gebaut werden sollen.“
Um den rollenden Supermarkt publik zu machen, hatte die Veddeler SPD eigens Handzettel drucken und in die Hausbriefkästen des Stadtteils werfen lassen. Allerdings etwas spät: Erst heute, wo Maas schon das dritte Mal auf der Elbinsel Station macht, haben die Einkäufer nach eigener Auskunft davon erfahren. „Die ersten beiden Male waren jeweils nur rund zehn Kunden da“, berichtet daher der Soltauer Händler. Heute – nach der Hälfte der Öffnungszeit – immerhin schon 25. „Ich bin zuversichtlich, dass sich das noch rumspricht“, sagt Maas. Laut Bezirksamt soll der Penny-Markt am 11. März wieder seine Pforten öffnen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here