Die schlechte Versorgung mit Corona-Impfstoffen schafft Begehrlichkeiten. Foto: panthermedia

Bei der Feuerwehr und beim DRK Harburg wurden
Mitarbeiter geimpft, die keine Priorität hatten

Olaf Zimmermann, Hamburg. In Hamburg fehlt es weiterhin an Impfstoff für die Corona-Schutzimpfung. Für Senioren über 80 sind keine Impftermine verfügbar. Bei der Feuerwehr und beim DRK Harburg haben sich offenbar Chefs aus der Teppichetage aus übrig gebliebenen Dosen impfen lassen.
Wie kann das sein? Impfteams des DRK Harburg sind in der ganzen Stadt unterwegs, um Bewohner in Pflegeheimen zu impfen. Nicht selten kommt es vor, dass nicht alle angeforderten Impfdosen benötigt werden – weil einige Senioren es sich anders überlegen oder weil nicht alle erforderlichen Papiere vorliegen.
Das Problem: Die mitgebrachten Impfdosen sind nicht lange haltbar. Wenn sie nicht binnen einer Stunde verimpft werden, sind sie unbrauchbar. Übriger Impfstoff muss zurück ins Impfzentrum gebracht werden. Es ist aber auch möglich, andere Impfberechtigte, die schnell vor Ort sein können, zu informieren. Etwa Mitarbeiter im Rettungsdienst oder Mitarbeiter der Impfteams.
Ein Sprecher der Feuerwehr räumte in der „Mopo“ ein, dass Mitarbeiter geimpft wurden, die noch gar nicht an der Reihe gewesen wären. Um Wiederholungen zu verhindern, habe die Feuerwehr inzwischen eine Liste der jetzt impfberechtigten Mitarbeiter angelegt. So würden Führungskräfte nicht mehr vorgezogen.

Der Senat
ist not amused
Julia Offen
Senatssprecherin

Beim DRK Harburg sollen nach Medienberichten nicht nur Führungskräfte, sondern teilweise auch deren Ehefrauen eine Schutzimpfung erhalten haben. Eine Wochenblatt-Anfrage beim DRK Harburg blieb unbeantwortet. Statt dessen schickte Harburgs DRK-Geschäftsführer Harald Krüger folgende Stellungnahme: „Am 29. Dezember 2020 sind 60 Impfstoffdosen des mobilen Impfteams nicht verbraucht worden. In Absprache mit der Sozialbehörde sollte eine Vernichtung dieses nur begrenzt haltbaren Impfstoffs unbedingt vermieden werden.
Deshalb wurden am 30. Dezember Rettungsdienst-Mitarbeiter aus den Corona-Testteams und der Corona Task-Force des DRK Harburg geimpft, darunter auch zwei Leitungskräfte. Zuletzt wurden weitere Personen geimpft, die zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren. Ein anderes Vorgehen war aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Seit 4. Januar wird unverbrauchter Impfstoff ins Impfzentrum Messehallen gebracht.“
Der Senat sei über diese Vorfälle „not amused“, teilte die stellvertretende Sprecherin des Senats, Julia Offen, mit. Für Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard kein Grund, am Donnerstag einen Besuchstermin mit dem DRK-Harburg in der Leitstelle Eidelstedt abzusagen.

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