Nutzungsmöglichkeiten des Wasserstoff-Zentrums. Grafik: pr

Senat stellt Großprojekt vor – mit dabei: Vattenfall, Shell, Mitsubishi Heavy
Industries und Wärme Hamburg

Andreas Göhring, Moorburg. Das ging Schlag auf Schlag: Erst will die Handelskammer Hamburgs ältesten Stadtteil für die Hafenerweiterung opfern, dann präsentiert der Senat ein gigantisches Wasserstoff-Projekt am Standort Moorburg. Auch wenn SPD und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hatten, Moorburg mindestens bis 2025 in Ruhe zu lassen, hat die Diskussion um die Zukunft dieser Region an Fahrt aufgenommen.
Dabei ist das Wasserstoff-Projekt des Senats schon wesentlich konkreter als die Planspiele der Handelskammer. Demnach wollen die Unternehmen Shell, Mitsubishi Heavy Industries, Vattenfall und Kommunale Wärme Hamburg zunächst auf dem Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks aus Wind- und Solarkraft umweltfreundlichen Wasserstoff erzeugen und „im Umfeld“ auch nutzen.
Wie diese Nutzung konkret aussehen könnte, muss noch untersucht werden. Doch schon jetzt ist in den Mitteilungen des Senats davon die Rede, im Umfeld des Standorts „zahlreiche potenzielle Abnehmer für grünen Wasserstoff anzusiedeln“. Solche Aussagen tragen nicht gerade zur Beruhigung der Moorburger bei.
„Vorsicht“, sagt Moorburg-Veteran Rainer Böhrnsen. „Die Zusage, dass man uns in Ruhe lassen will, gilt nur für die nächsten fünf Jahre.“ Gudrun Schittek, Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen aus den Elbddörfern, lehnt sich dagegen schon jetzt weit aus dem Fenster: „Die Planung für den Umbau des Kraftwerks hat noch nicht einmal begonnen.“ Es sei abwegig daran zu denken, Moorburg als Industriefläche zu nutzen. Hamburg brauche nicht mehr Industrieflächen, statt dessen müssten ehemalige Raffinerie-Flächen entwickelt werden.
Malte Siegert, Vorsitzender des NABU Hamburgs, begrüßt die Pläne des Senats als „sinnvolle Folgenutzung des brachliegenden Areals“. Er weist aber darauf hin, dass die geplante A26 Ost, die zwischen dem Kraftwerksgelände und der nur wenige 100 Meter entfernten Kattwykbrücke verlaufen soll, die Entwicklungsmöglichkeiten deutlich einschränken würde.
Siegert bringt deshalb wieder die Kattwyk-Halbinsel ins Gespräch: „Sie ist nach dem Abzug des Shell-Tanklagers ein echtes Filetstück für die Hafenentwicklung oder für alternative Nutzungen wie Wasserstofferzeugung oder Speicherung.“
Noch bis April 2021 will das Konsortium der vier Unternehmen eine erste Projektskizze vorlegen und sich um EU-Fördermittel bewerben.
Der erste „grüne“ Wasserstoff könnte schon im Laufe des Jahres 2025 produziert werden.

1 KOMMENTAR

  1. Abgesehen von der Idee mit der Nachnutzung des Kraftwerks für Wasserstoff-Elektrolyse ist die Idee der Handelskammer, für die industrielle Nutzung des Wasserstoffs den Ort Moorburg abzureißen, ein verfehlter Griff in Nutzungsvorstellungen aus den 70er Jahren. Es mag aus Sicht der HK ein verführerischer Gedanke sein, den Ort möglichst schnell und problemlos abreißen zu können, weil die rechtliche Situation angeblich dafür schon lange besteht und es nur ein wenig Entschlußkraft braucht, um endlich vollendete Tatsachen zu schaffen. Weit gefehlt. Die Grundlage für die Planung von Bauvorhaben der öffentlichen Hand ist eigentlich immer das Baugesetzbuch, ein Bundesgesetz. Hamburg hat seinerzeit behauptet, auf der Basis dieses Gesetzes könne ein Hafen nicht geplant werden. Hafenplanung ist immer an die Wasserkante gebunden, es gäbe also dafür keine Ausweichflächen, und außerdem müsse Flächenbevorratung betrieben werden können ohne angeben zu müssen, was dort konkret gebaut werden soll. Das Hafenentwicklungsgesetz wurde als ein eigenes Hamburger Planungsgesetz beschlossen, dass in wesentlichen Punkten im Widerspruch steht zum Baugesetzbuch. Aber beschränkt auf Hafenplanung für die eigentlichen Aufgaben eines Hafens, den Warenumschlag. Nur so kann es vor dem Gesetz noch gerechtfertigt werden, dass ein Stadtteil mit mehreren hundert Einwohnern zum Hafenerweiterungsgebiet gehört und erheblichen Einschränkungen unterliegt. Selbst Einschränkungen in der Verfügung von Bürgern über ihr Immobilieneigentum, was einer Teilenteignung gleichkommt. Ganz anders sieht es jetzt aus mit der Planung, dort industrielle Produktion bzw. Nutzung von Wasserstoff zu betreiben. Das ist keine klassische Hafennutzung, es könnten andere Flächen außerhalb des Hafenerweiterungsgebietes dafür genutzt werden (die auch zur Verfügung stehen) und eine Flächenbevorratung über mehrere Jahrzehnte ist dafür auch nicht erforderlich. Etwas derartiges kann und sollte auf der Basis des Baugesetzbuches geplant werden. Es auf der Basis des Hafenentwicklungsgesetzes zu planen, stellt einen Mißbrauch dieses Gesetzes dar…

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