In ihre Laube hat Brigitte Bartels (77) im Laufe der Jahre viel Geld hineingesteckt - doch ihr Auszug droht noch viel teurer zu werden. Foto: cvs

Witwe aus Altona will ihre Luruper Parzelle abgeben – und soll viel abreißen

Christopher von Savigny, Lurup/Altona

Der Kleingarten von Brigitte Bartels (77) sieht aus, als habe hier jemand zum Kahlschlag angesetzt: Wo einst Fichten und Lebensbäume standen, liegt jetzt nur noch eine Schicht mit frischen Holzschnitzeln. Seit 26 Jahren hat die Altonaerin den Kleingarten in der Luruper Kolonie Luckmoor gepachtet – eine kleine, etwa 15 Lauben umfassende „Außenstelle“ des Kleingartenvereins (KGV) Groß Altona, deren Haupteingang sich am Vorhornweg befindet. Die Altonaerin Brigitte Bartels will ihren Garten abgeben. „Rasen mähen, Blumen pflegen, einmal im Jahr die Laube streichen: Das schaffe ich mittlerweile nicht mehr“, erklärt die Witwe.

Die Kündigung ist auf den 30. November 2021 terminiert – doch bevor es so weit ist, muss die Laubenpieperin noch eine Unzahl an Änderungen vornehmen, wie ihr der Vorsitzende des Kleingartenvereins mitteilte. Eine teure Angelegenheit: Für das Abholzen der – teils bis zu fünf Meter hohen – Koniferen (seit 2016 verboten) hat sie fast 4.000 Euro hingeblättert. Nun ist die Laube selbst an der Reihe: Laut Kleingartenverordnung darf diese nicht größer als 24 Quadratmeter sein. Weil das Ehepaar Bartels im Laufe der Jahre ein paar Vordächer und eine Veranda angebaut hat, müssen diese jetzt weg. Anschließend sollen – so will es die Verordnung – alle Möbel raus, damit eine Vereinskommission den Wert des Häuschens schätzen kann.

Brigitte Bartels empfindet das Ganze als Schikane: „Wer wird mir eine halb abgerissene Laube schon abkaufen?“, fragt sie. Ihr Angebot, das Gärtchen „einfach so“ abzugeben und dafür im Gegenzug kein Geld zu verlangen, wurde vom Vereinsvorstand abgelehnt. Wolfhard Reimers, Vorsitzender des KGV 222 (Groß Altona): „Wenn wir so etwas erlauben, drohen wir unsere Gemeinnützigkeit zu verlieren.“ Er teilt damit die Auffassung des Landesbundes der Gartenfreunde (siehe Infotext). Brigitte Bartels ist fassungslos: „Um meinen Kleingarten abzugeben, soll ich etliche Tausend Euro investieren.“

Nach Auskunft des Mietervereins zu Hamburg ist das Abholzungsgebot unzulässig: „Es kann nicht sein, dass Anpflanzungen, die in der Vergangenheit erlaubt waren, nun auf einmal verboten sind“, sagt Geschäftsführer Dr. Rolf Bosse. Dies verstoße gegen das verfassungsrechtliche Rückwirkungsverbot. „Der betroffene Kleingartenverein sollte eine sachgerechte Lösung im Sinne aller Beteiligten finden, die insbesondere die Leistungsfähigkeit der betagten Pächterin nicht überfordert.“

 

„Regularien einhalten“

Der zuständige Landesbund der Gartenfreunde Hamburg (LGH) möchte aus Zeitgründen nicht zum Einzelfall Stellung nehmen und verweist stattdessen auf das Bundeskleingartengesetz: „Ein Kleingarten ist kein Freizeitgrundstück, sondern eine landwirtschaftlich zu nutzende Fläche, die wir von der Stadt Hamburg einzig und alleine für diesen Zweck übergeben bekommen haben“, sagt Fachberater Roger Gloszat. „Der LGH und die ihm angeschlossenen Kleingartenvereine müssen daher darauf achten, dass die Regularien eingehalten werden, damit nicht die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit der Vereine und damit das Kleingartenwesen insgesamt gefährdet wird. Die Hauptaufgabe des LGH ist die langfristige Erhaltung der Kleingartenanlagen und das ist unter anderem nur möglich, wenn die Gärten bei Pächterwechsel in einen ordnungsgemäßen Zustand zurückversetzt wurden.“

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