Alexander Pape (li., am Baugebiet Kirchenwiese) und Steven Harder vom AK Georgswerder finden ihren Stadtteil äußerst lebenswert. „Nur das Umfeld stimmt nicht“, sagen sie. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Vor rund zehn Jahren ist Steven Harder – des günstigen Wohnraums wegen – nach Georgswerder gezogen. „Es lebt sich gut hier“, sagt der Sprecher des Arbeitskreises (AK) Georgswerder. „Ländlich und trotzdem nicht weit weg von der City!“
Dennoch fühle man sich als Bewohner irgendwie vom Rest der Welt abgeschnitten. „Vor neun Jahren hat der einzige Bäcker hier dicht gemacht, dann im Abstand von jeweils zwei, drei Jahren erst der Supermarkt und schließlich die Apotheke.“ Auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei miserabel: So fahre die einzige Buslinie meist nur im 20-Minuten-Takt. „Für viele ist Georgswerder ein weißer Fleck auf der Landkarte“, pflichtet ihm sein AK-Kollege Alexander Pape bei.
Tatsächlich scheint im Stadtteil – Spitzname „Ziegenbek“ – innerhalb der letzten Jahre kaum mehr passiert zu sein, als die Öffnung des Energiebergs (einer ehemaligen Mülldeponie) für Spaziergänger. Doch nun tut sich langsam etwas: Aktuell bereitet die IBA an der Kirchenwiese den Bau von 190 Wohnungen vor. Auf dem Gelände (B-Plan 97), das sich vom Niedergeorgswerder Deich bis fast hinunter zur Doveelbe erstreckt, haben Bagger zwecks Bodenverdichtung kürzlich große Mengen von Sand aufgeschüttet.
Geplant sind sowohl Reihen- als auch Mehrfamilienhäuser. Eines der Grundstücke ist für eine Kita reserviert, zwei weitere Flächen für Baugemeinschaften. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Grundstücke ausgeschrieben werden – in Frage kommen sowohl private als auch öffentliche Bauträger. „Wir gehen derzeit davon aus, dass mit dem Bau der ersten Wohngebäude 2022 begonnen wird und bis zum Ende des Jahres 2025 das neue Wohnquartier weitestgehend hergestellt werden kann“, sagt IBA-Sprecher Arne von Maydell.
An der entsprechenden Infrastruktur hapert es jedoch nach wie vor: Wo sollen die neuen Bewohner einkaufen? Wo ihr Auto abstellen (laut AK sind nur wenige Parkplätze geplant)? Wo können sie sich treffen? Immerhin zum letzten Punkt konnte die IBA mit dem Bau des neuen „Quartiersplatzes“ neben der Schule Rahmwerder Straße schonmal einen Beitrag leisten. „Jedoch sind sicherlich noch weitere Maßnahmen neben und nach den IBA-Projektentwicklungen notwendig, um die weitere Entwicklung von Georgswerder zu unterstützen“, so von Maydell.

Drei Fragen an Steven Harder (Arbeitskreis Georgswerder)

Wofür steht der Arbeitskreis Georgswerder? Was sind seine Ziele?
Der Arbeitskreis Georgswerder setzt sich für eine Verbesserung der Lebensqualität im Quartier ein. Daher sind unsere Ziele, für eine bessere Infrastruktur und für bessere Wohnverhältnisse zu kämpfen. Wir setzen uns weiterhin für ein grünes Georgswerder ein, das seinen dörflichen Charakter behalten kann und nicht weiter an Attraktivität für die dort lebenden Anwohner verliert.

Was halten Sie vom IBA-Neubauprojekt an der Kirchenwiese?
Für die neue Bebauung auf der Kirchenwiese fordern wir ein ganzheitliches Konzept, das die nicht mitgeplante Infrastruktur und den sozialen Wohnungsbau mit einschließt. Zum Beispiel ist es wichtig, dass genügend Parkraum zur Verfügung gestellt wird. In Georgswerder sind die meisten Menschen auf ein Auto angewiesen. Außerdem fehlt eine Leihstation für Autos oder Fahrräder, um das Quartier nicht weiter zu belasten.

Wie lässt sich verhindern, dass das Quartier zu einem „Problemstadtteil“ wird?
Georgswerder bietet für die Zukunft viele Chancen, die allerdings genutzt werden müssen. So müssen die Eigentümer von heruntergekommenen Wohnungen dazu verpflichtet werden, ihre Immobilien zu pflegen und nicht für viel Geld an notbedürftige Menschen zu vermieten. Die Politik muss sich um den schlechten Zustand der Straßen und den Müll, der überall in den Ecken liegt, kümmern. Mit diesen Maßnahmen kann unser schönes, naturnahes Quartier mitten in der Stadt wieder an Qualität gewinnen.

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