Der Rotklinkerbau aus den 1920er-Jahren stammt von Gustav Oelsner. Gebaut wurde damals übrigens nach der Idee von „Licht, Luft und Grün“ - davon bleibt im vorliegenden Fall wahrscheinlich nicht sehr viel übrig. Foto: cvs

Noch stehen die hohen Pappeln im Innenhof des Häuserblocks zwischen Stresemann-, Schützen-, Leverkusen- und Ruhrstraße, doch lange zu leben haben sie höchstwahrscheinlich nicht mehr: Nach jahrelangen Verhandlungen wurde kürzlich der aktualisierte Bebauungsplan „Bahrenfeld 68“ für das etwa 7.000 Quadratmeter große Areal vorgestellt. Demnach sollen zwischen den Häuserblocks, in denen rund 500 Menschen leben, drei große Gebäuderiegel mit vier Stockwerken plus Staffelgeschoss entstehen.

Die örtliche Anwohnerinitiative „Bahrio 68“, die sich seit 2013 für eine maßvollere (also niedrigere) Bebauung einsetzt, sieht sich um ihr Engagement betrogen.
„Im Endeffekt wurde keine einzige Anregung von uns aufgenommen“, sagt Initiativenmitglied Hanna Rohmeyer. „Das Ergebnis ist das Papier nicht wert, auf dem es steht.“

Lange hatte der Kampf zwischen den Parteien, dem Hamburger Senat, dem Investor und der Initiative hin- und hergewogt – mal war von dreieinhalb Stockwerken die Rede, dann wieder von viereinhalb, aus anfänglich 95 Wohnungen sind inzwischen 110 geworden. Was die Initiative besonders wütend macht, ist die Begründung der Altonaer Grünen, durch den Wohnungsbau entstehe am Ende sogar mehr Grünfläche als vorher. Laut „Bahrio 68“ wurden dabei nicht nur geplante Gründächer, sondern auch Rasengitter mitgezählt, die nach Meinung von Experten so gut wie nichts zum Ökosystem beitrügen.

Eine Landschaftsarchitektin bescheinigte der Initiative, dass mit erheblichen Wasserablaufproblemen zu rechnen sei. Insgesamt werden 25 Bäume (unter anderem Ahorn, Weiden, Eschen, Birken) gefällt – etliche weitere, die nah an der Baugrenze stehen, könnten – so die Befürchtung – aufgrund der Bauarbeiten Wurzelschäden erleiden und absterben. „Dass die Politik das Ganze auch noch als umweltfreundlich verkauft, macht einfach nur fassungslos“, findet Rohmeyer.

Nach Auskunft des Bezirksamts Altona gab es von Bürgerseite 55 Einwendungen gegen den neuen B-Plan. „Alle Stellungnahmen werden geprüft und dem Planungsausschuss zur Beschlussfassung vorgelegt“, sagt Amtssprecher Mike Schlink. Bis das Vorhaben rechtskräftig wird, könnte jedoch noch viel Zeit ins Land gehen. „Betrachtet man die zuletzt festgestellten Bebauungspläne, so ergibt sich eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von drei Jahren und zehn Monaten“, berichtet Mike Schlink.

 

Das sagen die Grünen:
Gesche Boehlich, eine der Fraktionsvorsitzenden der Altonaer Grünen, lässt sich von den Einwänden der Initiative nicht überzeugen: „Ich habe keine einziges Gegengutachten zu Gesicht bekommen, das die Argumente von Bahrio 68 unterstützt hätte“, sagt sie. Ohne ein solches Gutachten könne niemand beurteilen, wieviel an ökologischem Wert verlorengehe – und ob dies überhaupt der Fall sei. Zu der – für viele überraschenden – Aufstockung von 95 auf 110 Wohnungen sagt Boehlich: „Es geht lediglich um eine Neueinteilung, nicht um eine Vergrößerung des Wohnraums insgesamt.“ Über die Jahre hinweg sei man mit der Initiative „leider nicht zusammengekommen“. cvs

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here