Stadtteilaktivist und smarter Stadtplaner: Mario Bloem. Foto: KP Flügel

Von KP Flügel. Da kommt der Mann, der eines der im Stadtteil umstrittensten Bauprojekte kippen will. Mario Bloem, schwarzes Hemd, modische Brille, dunkle Jeans, wohnt gleich nebenan im Karoviertel. Zum Interview in einem Café am Rand des Schlachthofes kommt er zu Fuß, doch auf nachbarschaftliche Gespräche hat der smarte Stadtplaner keine Lust. Lieber schildert er mit ruhigen Worten, warum er sich vor Gericht gegen die Aufstockung des Feldstraßenbunkers wehrt.

Ohne den politischen Rückhalt einer Partei, sieht man von der Initiative „St. Pauli Code jetzt!“ einmal ab, führt der 58-Jährige die juristische Auseinandersetzung. Vor dem Verwaltungsgericht hat er seine Argumente ohne die Hilfe eines Anwalts vorgetragen. Seine Klage wurde abgewiesen, Bloem ging in Berufung, über die das Hamburgische Oberverwaltungsgericht entscheiden wird. Wenn David gegen Goliath kämpft, finden das nicht zuletzt auf St. Pauli viele sympathisch (das Elbe Wochenblatt berichtete mehrfach).

Prozessiert Bloem als Bürger oder Stadtplaner?

Das gesteigerte öffentliche Interesse an seiner Person ist ihm allerdings eher unangenehm. Für den Uneitlen scheint das Private, oder in diesem Fall sein beruflicher Hintergrund, nicht politisch zu sein. Nur ist eine klare Trennung möglich? Agiert und prozessiert Mario Bloem also als Bürger oder auch als Stadtplaner mit eigenen wirtschaftlichen Interessen? Zumal der Unternehmer selbst, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, erfolglos Gespräche mit dem Bunker-Investor Thomas Matzen führte, um dort ein Udo-Lindenberg-Hotel mit Museum zu etablieren? Diese möglichen Konflikte blendet der im Gespräch ansonsten Verbindliche aus. Bloem sieht sich in der Auseinandersetzung ausschließlich als engagierter Bewohner des Viertels: „St. Pauli ist ein gemischter Stadtteil mit vielen aufgeweckten Bürgern. Der Bunker gehört zu uns, auch so wie er jetzt ist. Wenn man ihn ändert, sollte man es mit dem Stadtteil zusammen machen. Ich habe nichts dagegen, dass neue Ideen kommen. Dann redet man darüber.“

Seine Kritik richtet sich gegen den aus seiner Sicht fehlenden offenen Diskussionsprozesses Politik und Investoren hätten mit den Anwohnern nicht geredet. Einmal habe der Stadtplanungsausschuss zwar im Wirtschaftsgymnasium getagt, doch das sei zu wenig „Da gab es auch sehr viel Kritik an dem Projekt.“ Es reiche aber nicht, sich einmal zu treffen und in zwei Stunden das Projekt „durchzubügeln“, so Bloem.

Statt zu protestieren wolle er lieber mitgestalten, fasst Mario Bloem seine Motivation zusammen. Im Hinblick auf die Neugestaltung des Fleischgroßmarktes oder der Messehalle befürchte er, dass „uns Projekte vor die Füße gekippt werden. Die Bürger müssen dann versuchen, diese irgendwie abzuwehren“.

 

Stadtplaner: Mario Bloem ist Geschäftsführer der Deutschen Planungs- und Beratungsgesellschaft für Stadtentwicklung mbH. Der Diplom Ingenieur nennt als seine Projekte unter anderem Beleuchtungskonzeptionen für die Deutsche Bank in Frankfurt sowie einen Vorschlag zur Neugestaltung des Spielbudenplatzes. Im Sommer vergangenen Jahres hat Bloem am Projekt der autofreien Zone im Rathausquartier
mitgewirkt. KP

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