Georg Müller, den alle „George“ nennen, in seinem Laden an der Gärtnerstraße. Fotos: Dirk Andresen
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Wie Georg Müller seit 50 Jahren Weltstars und Anfänger
mit seinen Instrumenten beglückt. Von Dirk Andresen

Das Chaos hat System: Zielsicher steuert der freundliche ältere Herr durch leere Pappkartons, aufgeschraubte Instrumente, Werkzeug und Verpackungsreste aus Plastik. „Ach hier, ich wusste, dass ich noch einen Satz von der Sorte habe“, sagt Georg Müller grinsend und hält eine Packung E-Gitarrensaiten in der Hand. Zielsicher hat er diese aus einer Wandhalterung gefischt. Ordnung muss sein. Wer diese Maxime indes als Kriterium für einen Kauf in „George Music-Shop“ anlegt, wäre schlecht beraten. Denn der Inhaber schert sich nicht wirklich darum, wie aufgeräumt sein Laden aussieht.

Seit mehr als 50 Jahren gehört er zu den besten Gitarrenbauern Hamburgs. Seit 49 Jahren betreibt er seinen Kult-Laden an der Gärtnerstraße 105. „George“ ist nicht nur unter Hamburgs „Muckern“ eine lebende Legende. Er ist „der“ Klampfen-Guru, der Gitarrenflüsterer von Eimsbüttel.

Dass es dazu kam, hat er auch seinem Vater zu verdanken. Der verlor im Zweiten Weltkrieg zwar einen Arm und ein Bein, war für seinen Sprössling musikalisch indes der Wegweiser in eine erfolgreiche Zukunft. „Er hatte eine Plattensammlung mit
Sachen von Benny Goodman, Ella Fitzgerald und Louis Armstrong, den ich besonders mochte, der mir den Weg zur schwarzen Musik, zu Blues, Jazz, Rock’n’Roll‘ ebnete“, sagt der heute 72-Jährige. Dann kamen, Elvis, die Beatles, die Stones und all die anderen Stars, die Klein-Georg auf den richtigen musikalischen Trip brachten. Doch schnell merkte er, dass ihm Gitarren bauen und reparieren sogar noch mehr Spaß machte, als selber zu spielen. Mit 14 Jahren baute er seine ersten eigenen Tonabnehmer, lernte löten, hobeln, fräsen. So gut, dass er später in der Ausbildung fast ein Jahr alle schwierigen Arbeiten mit seiner schlechter trainierten linken Hand machte, damit seine Lehrkollegen nicht allzu alt
aussahen.

Die Kundschaft wurde rasch prominenter: Die Gitarristen von Udo Lindenberg, den Scorpions, East of Eden, Otto Waalkes oder Jack Bruce von Cream und Leslie West kauften bei ihm und ließen ihn an ihre Lieblingsinstrumente.
Heute ist es deutlich ruhiger bei und um ihn geworden. Plötzlich geht die Tür auf, und ein vielleicht zehnjähriger Buttje hält dem Chef seine Kindergitarre unter die Nase. „Ich brauch ne’ neue, größere.“

Müller holt ein mittelgroßes Instrument für Jugendliche aus dem Regal: „Die ist gut, auch nicht zu teuer.“ Der Steppke zögert, murmelt schließlich: „Da muss ich meine Mutter fragen.“ „Mach das“, sagt der Maestro, „und dann kommst du mit deiner Mutter und dem Geld wieder.“ Wie lange er selbst Stars und Anfänger noch mit seinen Gitarren, Wissen und Können beglücken und in die Welt der Musik entführen wird, lässt ‚George‘ offen. Nur soviel sagt er: „Noch macht mir das Leben Spaß. Und solange das so ist, machte mir auch das hier Spaß.

Extreme Saitenlage mit Rory Gallagher:
An eine Episode mit dem Iren Rory Gallagher, der mit seiner Formation „Taste“ Weltruhm errang, erinnert sich Georg Müller besonders gern: „Alle Gitarristen wollten die Saitenlage ihrer Instrumente möglichst immer extrem flach eingestellt haben, weil das wesentlich bequemer zu spielen ist. Dafür war ich der Spezialist schlechthin. Nur Rory wollte eine extra hohe Saitenlage. Ich fragte ihn: Warum? Er erklärte mir, dass er ziemlich oft beim Spielen einen Bottleneck, eine Art Metallhülse, die man am kleinen Finger der Griffhand trägt, benutzt. Und das Spielen mit dem Ding war so tricky, dass man eine Saite teils unter einer anderen durchziehen musste. Also bekam er eine echt hohe Saitenlage.“ Und „George“ hatte einen Kunden von Weltruf mehr.DA

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