Groß-Sand ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsversorgung der Menschen auf der Elbinsel. In Verhandlungen mit möglichen Trägern dringt das Erzbistum nach eigenen Angaben darauf, dass dies auch künftig so bleibt.Foto: georghh/wikimedia
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Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg. Wann und an wen wird das Krankenhaus Groß-Sand verkauft? Welche Pläne verfolgt der neue Eigentümer? Antworten auf diese Fragen gibt‘s nach wie vor nicht. Im Stadtteil wächst die Angst, plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Dabei ist Groß-Sand für die medizinische Grundversorgung Wilhelmsburgs, der Veddel und des Hafens „systemrelevant“ – wie man in diesen Corona-Zeiten sagt. Vor Wochen hatte die Stadt dem Erzbistum, dem Träger der Klinik, Angebote gemacht und Rahmenbedingungen für Hilfen geschildert. „Wir sind zuversichtlich, dass es gelingt, in angemessener Frist zu einer Grundsatzentscheidung zu kommen“, hatte Sozialsenatorin Melanie Leonhardt am 3. November im Gesundheitsausschuss erklärt. Seitdem sind fünf Wochen verstrichen.
Am 16. Dezember wird das Thema Groß-Sand die Bürgerschaft beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht ein Antrag der Linken, das Stadtteilkrankenhaus in staatliche Regie zu übernehmen. Eine Idee, die bereits vor 15 Jahren mit Erfolg umgesetzt wurde, als das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) das Altonaer Kinderkrankenhaus übernahm und sanierte.
„Es steht zu befürchten, dass bei einem Verkauf an einen privaten Träger die bedarfsgerechte und bestmögliche Gesundheitsversorgung der Elbinsel nicht mehr im Mittelpunkt stehen wird“, heißt es im Antrag der Linken.
Das Bündnis „Aktion Krankenhaus Groß-Sand bleibt!“ ruft für Dienstag, 15. Dezember, zu einer Kundgebung um 17 Uhr vor dem Hamburger Rathaus auf. Gefordert werden:
– Eine Vereinbarung zur Sicherung des Bestandes: kein Abbau, keine vollendeten Tatsachen als „Vorleistung“ gegenüber einem neuen Träger.
– Der neue Träger muss Groß-Sand als allgemeines Krankenhaus der Grund- und
Notfallversorgung erhalten.
– Kein „Portal-Krankenhaus“, von dem aus Patienten lediglich ins „Mutterhaus“ weitergeleitet werden.
– Der neue Träger muss „Wilhelmsburg-Ziele“ haben und Gesundheitsperspektiven für den Stadtteil, die Betriebe, den Hafen und den Hamburger Süden insgesamt entwickeln.
– Der neue Träger muss auch attraktiv für Mitarbeiter sein, zum Beispiel durch Tarifanwendung.
– Der neue Träger muss bereit sein, erheblich zu investieren und den Krankenhausstandort Wilhelmsburg auszubauen.
– Der neue Träger soll einen wirklichen Beitrag zur Ausbildung neuer Pflegekräfte leisten,
etwa durch einen Neustart der Pflegeschule entsprechend dem Konzept „Pflegecampus Wilhelmsburg“.
Wenn ein privater Träger diese Standards nicht gewährleisten kann oder möchte, dann solle das UKE das Krankenhaus Groß-Sand übernehmen.

Hintergrund
2004 beteiligten sich fast 800.000 Hamburg am Volksentscheid gegen den Verkauf des Landesbetriebs Krankenhäuser: Fast 600.000 – über 75 Prozent – stimmten gegen einen Verkauf. Der CDU-Senat um Ole von Beust ingnorierte diese Empfehlung.

Das Altonaer Kinderkrankenhaus geriet 2003 durch die Umstellung der Abrechnung auf Fallpauschalen in wirtschaftliche Probleme. Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) übernahm 2003 die Betriebsleitung, sanierte das Kinderkrankenhaus und kaufte es. Seit 2006 ist das Kinderkrankenhaus eine eigenständige Tochter des UKE.

 

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