Andreas Kowalski bietet in der VHS virtuelle Straifzüge durch Hamburg an.
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Von Maren Langenbach

Der Corona-Lockdown hat das öffentliche Leben ein ganzes Stück weit heruntergefahren. Bildungseinrichtungen, so die Entscheidung des Hamburger Senats, bleiben im November jedoch weiter geöffnet. Dazu gehören auch die Hamburger Volkshochschulen, die mit einem strengen Hygienekonzept und eingeschränkter Teilnehmerzahl weiterhin aktuell 1220 Kurse anbieten, wovon 125 online ablaufen. Mit dem aktuellen Winterprogramm kommen noch 500 Kurse hinzu. Und die Rückmeldung der Kursteilnehmer sei positiv, so VHS-Pressesprecherin Dorothea Olbertz: „Unsere Kursteilnehmenden kommen auch aktuell gern in die Kurse. In der Gesamtheit ist kein signifikanter Rückgang an Buchungen zu beobachten.“ Dass so eine Weiterführung des Betriebs jedoch auch sehr viel Verantwortung für Mitarbeiter, Kursleiter und Kursteilnehmer birgt, weiß VHS-Geschäftsführerin Marlene Schnoor: „Wir sind uns dessen sehr bewusst. Wir bieten vermehrt Online-Angebote an und reduzieren die Anzahl von Präsenzkursen. Bewegungs-, Fitness- und Theaterkurse finden aktuell nicht in Präsenzform statt. Gleichwohl gilt: Nicht alle Menschen können online erreicht werden. Wir bieten „Bildung für alle“ an, und halten die Möglichkeit zur Weiterbildung aufrecht.“
Dass sein Themenbereich derzeit nur virtuell stattfinden kann, ist Andreas Kowalski fast schon gewöhnt, musste er Stadtführer und Kulturwissenschaftler, der Touren durch die Hansestadt anbietet, diese doch bereits im ersten Lockdown online präsentieren. Themen wie „Das jüdische Leben in Hamburg“, der Hafen der Hansestadt oder auch das Schanzenviertel bringt der 52-Jährige seinen Kunden näher, die Zusammenarbeit mit der VHS begann er just vor dem ersten Lockdown.
„Am Anfang hatte ich von Skype oder Zoom keine Ahnung“, gesteht Kowalski, „dann hat es sogar Spaß gemacht. Mittlerweile biete ich sechs verschiedene Online-Streifzüge an, wobei ich vorab die Bilder und Videos aufzeichne.“ Und das kommt bei seinen Kunden sehr gut an. „Die Teilnehmer sind oft überrascht, wie interaktiv und lebhaft so eine Online-Veranstaltung ist“, freut sich der gebürtige Gelsenkirchener. „Viele können sich am Ende des Rundgangs gar nicht trennen und genießen das gemeinsame Erlebnis. Auch ich habe damit eine neue Leidenschaft entdeckt.“
Kursleiterin Wiebke Wimmer, die an der VHS mit ihren Seminaren für mehr Präsenz und selbstbewusstes Auftreten in Beruf und Privatleben gleich online eingestiegen ist, sieht in den virtuellen Angeboten viel Positives: „Aus Gesprächen höre ich heraus, dass gerade für introvertierte Menschen die Hemmschwelle, einen Kurs von zu Hause aus zu machen, geringer ist.“ Es sei für viele leichter, in der heimischen, geschützten Umgebung an persönlichen Themen zu arbeiten, so die 48-Jährige.
Weiterer Vorteil: Die Teilnehmer können sich durch das Ausschalten der Kamera, wenn sie es wünschen, kurz mal zurückziehen. „Gerade beim Thema Stärkung des Selbstbewusstseins ist es gut und wichtig, auf die eigenen Energiereserven zu achten und sich zwischendurch mal rausziehen zu können.“
Wimmer, die sich bereits vor der Pandemie mit Online-Coaching auseinandergesetzt hat, sieht auch für sich als Trainerin Positives: „Ich finde es toll, vom Esstisch aufzustehen und meiner Familie zu sagen `Ich gehe jetzt zur Arbeit´ und dann ein paar Meter weiter in mein Online-Studio zu gehen. Ich glaube, dass die Bereiche Online-Training und „Blended Learning“, also integriertes Lernen, weiter wachsen werden, auch wenn die Pandemie vorbei ist. Die Vorteile sind groß – weniger Reisekosten, bessere Work-Life-Balance.“
Weitere Infos zu den Kursen der VHS unter www.vhs-hamburg.de

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