Geschlossene Türen: So sieht es derzeit vor der Kneipe „Zum tanzenden Einhorn“ an der Bundesstraße aus. Foto: mg
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Von Maren Langenbach. In seine Kneipe „Zum tanzenden Einhorn“ geht Jürgen Räsig derzeit nur ab und zu. „Wenn ich da bin, krieg ich nur schlechte Laune“, so der Gastronom, der vor elf Jahren die „Mittelalter- und Rollenspieltaverne“ in der Bundesstraße 6, mitsamt einem Berg von Schulden, übernommen hat.

„Der Laden läuft gut, wir haben 95 Prozent Stammpublikum, Gäste und Team sind wie eine große Familie, die sich gegenseitig hilft. Für Viele ist das Einhorn wie ein zweites Wohnzimmer“, sagt Jürgen Räsig stolz. „Die übernommenen Schulden habe ich in den Jahren abgearbeitet, ohne je einen Kredit aufnehmen zu müssen – und dann kam Corona.“ Den ersten Lockdown nutzt der Hamburger zum Renovieren und Putzen seines geliebten Ladens, in dem er vor 14 Jahren selbst als Aushilfe startete. Nach der Wiedereröffnung zeigt sich jedoch schnell, dass er durch den coronabedingt eingeschränkten Betrieb mit weniger Gästen und Sperrstunde das „Einhorn“ nicht mehr kostendeckend betreiben kann.

Nun der zweite Lockdown. „Wie alle gastronomischen Betriebe haben wir seit dem 2. November zu, die Fixkosten laufen aber weiter. Momentan greife ich auf die Rücklagen zurück, die sind auch irgendwann aufgebraucht. Die Lage ist schon ziemlich ernst.“ Zwar habe er die „Novemberhilfe“ beantragt, ob, und wenn ja, wann der Gastronom diese bekommt, weiß er bislang nicht. „Umso mehr freuen ich mich, und bin immer noch total perplex, über die große Unterstützung unserer Gäste.“ Denn die Fans von Werken wie „Herr der Ringe“ wollen ihr „zweites Zuhause“, in das „man alleine reinkommt und mit vielen Freunden raus geht“, so ihre Kommentare, nicht untergehen lassen. Und so nehmen sie auch in großer Zahl an der Crowd Funding- Aktion teil, die Frank Altpeter, IT-Mann im „Einhorn“ und Jürgen Räsigs bester Freund, ins Leben gerufen hat. Derzeitiger Spendenstand: 12.282 Euro, Tendenz steigend. Räsigs Ziel: 42.000 Euro. „Mit dem Betrag könnte ich das gesamte nächste Jahr mit meinen sechs Aushilfen überleben“, betont der gelernte Koch, der in seiner Kneipe für seine Stammgäste regelmäßig so genannte LARP-Abende, Abende für Live Action Role Playing, veranstaltet. Coronabedingt finden diese derzeit nicht statt. Trotzdem hofft der Unternehmer weiter, dass seine Kneipe nicht komplett verschwindet. „Ich habe so viel Schweiß, Blut und Tränen in den Laden gesteckt – da muss ich positiv denken und hoffen, dass wir die aktuelle Situation überstehen.“

>> https://de.gf.me/v/c/gfm/rettet-das-einhorn

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