Strengere Corona-Regeln im Gespräch – Schule auf der Veddel wegen vieler Infektionen geschlossen

Olaf Zimmermann, Hamburg

Der Trend geht in die richtige Richtung: Die Corona-Infektionszahlen klettern nicht mehr steil nach oben. Lockerungen der Einschränkungen sind deswegen aber nicht in Sicht. Im Gegenteil, Angela Merkel und die Ministerpräsidenten wollen am heutigen Mittwoch die Zügel noch weiter anziehen. Gastronomie, Sportangebote und Kulturorte sollen geschlossen bleiben. Diskutiert wird auch darüber, ob sich nur noch fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen – mit Ausnahmen für Weihnachten. An den Schulen scheint die Zeit des „Augen zu und durch“ in der bisherigen Form zu enden. Eine Abkehr vom Präsenzunterricht ist nicht ausgeschlossen.

Klar ist: Eine Pflicht, in der Öffentlichkeit generell Masken zu tragen, wird es in Hamburg nicht geben. Für die St. Pauli-Landungsbrücken, den Mühlenkamp und rund um die Muharrem-Acar-Brücke in Wilhelmsburg wurde die Maskenpflicht aufgehoben, für die Straße Schulterblatt und rund um den Alma-Wartenberg-Platz eingeführt.

Um den Infektionsschutz von Kindern und Beschäftigten in Kindergärten zu verbessern, hat die Stadt vier Maßnahmen beschlossen: Einen Sonderzuschuss bis zu 3.000 Euro für verbesserte Hygiene-Ausstattung, die Lieferung von Masken für Kita-Mitarbeiter, anlassunabhängige Testmöglichkeiten für Beschäftigte sowie eine bessere Erreichbarkeit der Gesundheitsämter, so dass Verdachtsfälle schneller geklärt werden können.

Wie ist die Lage an den Hamburger Schulen? 121 Klassen befinden sich (Stand Freitag) in Quarantäne. An der Schule auf der Veddel – eine Stadtteilschule, Grundschule und Ganztagsschule – und der Zweigstelle Billbrookdeich wurden bei einem Massentest 94 Infektionen festgestellt, 62 Schüler und 32 Schulbeschäftigte. Beide Schulen wurden geschlossen und auf Distanzunterricht umgestellt.

Vor einer Woche wurde die Ida-Ehre-Schule für zehn Tage geschlossen, nachdem ein Reihentest 55 Corona-Infektionen ergeben hatte.

Wer entscheidet, wann an einer Schule Massentests durchgeführt werden? In der Regel das zuständige bezirkliche Gesundheitsamt. „Wenn es darüber hinaus schulorganisatorische Gründe gibt, kann die Schulbehörde auch von sich eine Reihentestung veranlassen und organisieren“, sagt Schulbehördensprecher Peter Albrecht.

Weiterhin gilt: Kontakte zu anderen auf ein Minimum reduzieren, Abstands- und Hygieneregeln einhalten, Masken tragen.

 

Studie der Schulbehörde

Die Schulbehörde hat die 372 Infektionsfälle, die in den acht Wochen zwischen 4. August und 4. Oktober in den Schulen festgestellt wurden, untersuchen lassen. Demnach haben sich vier von fünf Schülern nicht in der Schule angesteckt. Fazit des Schulsenators Ties Rabe: Die Schulen sind sicher.

Eine Einschätzung, die auf Kritik stößt. Der Schulsenator habe „Schönwetterzahlen vorgestellt“, so Sabine Boeddinghaus, Schulexpertin der Hamburger Linken, „die schulische Realität sieht anders aus.“ Und CDU-Schulexpertin Birgit Stöver sagt: „Der Untersuchungszeitraum ist so gewählt, dass er den Schulen nicht wirklich weiterhilft.“
In den vier Woche nach Ende der Herbstferien hat es an Hamburger Schulen 1.874 Corona-Infektionen gegeben, davon 1.511 bei Schülern.

Gesichert scheint: Kleinere Kinder stecken sich zwar seltener mit dem Coronavirus an, können es bei einer Infektion aber genauso weitergeben. Und ältere Schüler sind, wie Jörg Timm, Direktor des Virologischen Instituts Düsseldorf in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte, „genauso ansteckungsfähig wie Erwachsene.“
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Coronafällen pro 100.000 Einwohner eine Verkleinerung der Lerngruppen und eine Einhaltung des Abstandsgebots auch während des Unterrichts. Die Hamburger Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag bei 130,6.

 

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