Viele Wilhelmsburger setzen sich aktiv für den Erhalt ihres Krankenhauses Groß-Sand ein. Foto: aktion-gross-sand-bleibt

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg.  Wie laufen die Gespräche über die Zukunft des von der Schließung bedrohten Krankenhauses Groß-Sand? Die so genannte Lenkungsgruppe, in der Sozialbehörde, Erzbistum, Krankenkassenverbände und Bezirksamt Hamburg-Mitte versuchen wollen, eine tragfähige Lösung für das Weiterbestehen der Klinik zu finden, hat seit Wochen nicht mehr getagt. Der Wilhelmsburger Arzt Manuel Humburg (Verein Zukunft Elbinsel) befürchtet Schlimmes: „Möglicherweise werden im Hintergrund Verhandlungen geführt und vollendete Tatsachen geschaffen.“
Hintergrund: Hohe Pensionsversprechen, alte Bausubstanz und wenige Privatpatienten im Stadtteil machen das 200-Betten-Haus Groß-Sand für den Eigentümer, das finanziell klamme Erzbistum, unrentabel. Seit 2015 schreibt das Krankenhaus rote Zahlen. Inzwischen hat das Erzbistum nach eigenen Angaben Groß-Sand mit rund 27 Millionen Euro unterstützt. Weitere 25 Millionen Euro sind für die Klinik zurückgestellt. Das Erzbistum möchte das Wilhelmsburger Krankenhaus möglichst schnell loswerden. Die unterbrochenen Verhandlungen mit Interessenten wurden wieder aufgenommen, wie Alexander Becker, Verwaltungsdirektor des Erzbistums Hamburg, mitteilte.
Liegt der Lenkungsgruppe ein belastbares Konzept des Erzbistums vor? „Mit der Lenkungsgruppe ist der Verkauf des Krankenhauses Groß Sand abgesprochen“, antwortet Erzbistumssprecher Manfred Nielen, „mit dem neuen Träger soll das belastbare Konzept besprochen werden. Die Umsetzung entscheidet dann der neue Träger mit.“
Ebenfalls ein Wörtchen mitzureden über das neue Konzept hat auch die Stadt, die ja finanzielle Unterstützung für Groß-Sand signalisiert hat. Was kann man von einem neuen Träger erwarten? Manuel Humburg fordert: Es darf kein Krankenhaus „light“ entstehen, kein „Portalkrankenhaus“, von dem aus Patienten lediglich ins Mutterhaus weitergeleitet werden. Der Träger muss Gesundheitsperspektiven für den Stadtteil entwickeln und bereit sein, erheblich zu investieren und Groß-Sand auszubauen.
Hat die Stadt ein solches Anforderungsprofil erstellt? Die Antwort aus der Sozialbehörde lässt viele Fragen offen: „Dazu, wie es mit Groß-Sand weitergeht, stehen das Erzbistum, die Stadt und weitere Bezirke in einem Austausch, mit dessen Ergebnissen ich nicht vor Jahresende rechne“, teilt Behördensprecher Martin Helfrich mit.
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich nach Auskunft von UKE-Sprecherin Saskia Lemm nicht um die Trägerschaft des Wilhelmsburger Krankenhauses beworben. Synergien zwischen dem UKE und einer Klinik wie Groß-Sand seien vorstellbar: „Es gibt keine konkreten Planungen. Das UKE ist aber grundsätzlich immer bereit zu helfen, wenn es um die Versorgung der Hamburger Bevölkerung geht.“
Während die hinter den Kulissen die Zukunft von Groß-Sand besprochen wird, droht vor Ort die Abwanderung von qualifiziertem Personal.

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