Überall stehen jetzt die Parkscheinautomaten – wie hier im Karnapp. Foto: mag

Andreas Göhring, Harburg.  Aus „besinnlichem Wohnen“ sei ein „Kampf gegen die Zeit“ geworden, sagt Denis Schulz (Name geändert) aus dem HafenCampus zwischen Schellerdamm und Theodor-Yorck-Straße. Die Bewohner des Neubauquartiers im Harburger Binnenhafen können ihre Autos seit dem 1. November nicht einfach dort abstellen, wo gerade Platz ist. Zwischen 9 und 17 Uhr müssen sie jetzt einen Parkschein lösen und für sechs Minuten 20 Cent einwerfen.
Denis Schulz und viele seiner Nachbarn sind sich einig: „So geht es nicht. Wir fühlen uns allein gelassen.“ Die Mieten seien im Quartier ohnehin hoch, jetzt sollen gerade die Familien mit Kindern, die aufs Autos angewiesen sind, auch noch dauerhaft für Parken zahlen. Der Hinweis auf die Parkhäuser am Veritaskai oder – auf der anderen Seite der Bahn – am Küchgarten seien auch keine Lösung. Ein Monat im Parkhaus koste allein 85 Euro.
Die „Parkraumbewirtschaftung“ in citynahen Gebieten geht auf eine Rüge des Hamburger Rechnungshofs im Jahr 2006 zurück. Damals wurde bemängelt, dass der Stadt ein höherer zweistelliger Betrag durch die Lappen geht, weil sie für die Nutzung des wertvollen Innenstadtraums nicht eine Gebühr verlangt.
Seither wird die Bewirtschaftung Schritt für Schritt umgesetzt, jetzt eben auch im Schellerdamm, in der Theodor-Yorck-Straße, im Karnapp und demnächst auch in der Harburger Schloßstraße. „In diesem Fall waren sich die zuständige Straßenverkehrsbehörde, also das Polzeikommissariat 46 und das Bezirksamt einig“, sagt Bezirksamtssprecher Dennis Imhäuser. „Sie haben das angeordnet.“
Dennis Schulz und andere hatten erwartet, dass zumindest eine „Bewohnerparkzone“ (früher: „Anwohnerparkzone“ genannt) eingerichtet wird, in der die Anwohner nur eine Jahresgebühr von etwa 30 Euro zahlen müssen.
Bevor aber der Landesbetrieb Verkehr (LBV) mit dem erheblichen organisatorischen Aufwand beginnt, bedarf es eines politischen Beschlusses. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen auf Landesebene wurde tatsächlich die Einrichtung von 20 Bewohnerparkzonen bis 2025 vereinbart. Doch während es in anderen Bezirken schon Anträge für entsprechende Zonen gibt, hinkt Harburg hinterher.
Zwar hatte die Bezirksversammlung das Bezirksamt schon im Januar 2020 um eine Prüfung gebeten, welche innerstädtischen Gebiete für so eine Zone in Frage kommen, aber nach knapp einem Jahr gibt es darauf keine erschöpfende Antwort. Lediglich das Zentrum Neugraben komme in Frage, aber frühestens 2022 – wenn die Anwohner damit einverstanden sind.
Raffgierig und peinlich: Auch in der Theodor-Yorck-Straße haben viele Autofahrer Geld in die Parkautomaten gesteckt, andere von Mitarbeitern des „Parkraummanagements“ bereits Knöllchen kassiert. Weil aber die Theodor-Yorck-Straße noch gar keine öffentliche Straße, sondern bislang nur eine Privatstraße ist, hätten weder Parkgebühren gezahlt noch Strafzettel ausgestellt werden dürfen.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo liebes elbe Wochenblatt Team,

    Ich selbst wohne mit meiner Freundin in der Theodor-Yorck-Straße. Gibt es eine Möglichkeit sich gegen einen Knöllchen nachträglich zu wehren? Kann man irgendwo so eine Anwohner Parkzone anfragen?

    Vielen Dank für die Antwort.

    Tom Obermann

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