Wie kommt man durch den Winter? An der Ida Ehre Schule will man es mit Hybridunterricht versuchen. Foto: mg
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An diesem Freitagmorgen ist vor der Ida Ehre Schule (IES) kein einziger Schüler zu sehen, aber Lehrer und Eltern mit Transparenten. Mit silbernem Klebeband hat jemand „Hybrid denken“ auf weißen Stoff geklebt, rechts daneben steht ein Vater, der ein Pappschild mit der Botschaft „Herr Senator, vertrauen Sie uns. Wir machen das schon!“ in die Höhe reckt.

Zwei Wochen lang war die IES auf Anordnung der Schulbehörde komplett geschlossen. Ein Massentest unter 1.200 Schülern, Schulbeschäftigten und Lehrern hatte 55 Infektionen mit dem Coronavirus ergeben. Die Fälle verteilten sich auf 25 Schulklassen, für die vom Gesundheitsamt Eimsbüttel Quarantäne angeordnet wurde. Am Montag öffnete die IES wieder. Es wird seitdem wieder Anwesenheitsunterricht in allen Klassen angeboten. Im „Regelbetrieb“, wie es die Schulbürokraten in den Ämtern formulieren. Was nach Normalität klingen soll, ist nach Ansicht der Demonstranten bei den derzeitigen Infektionszahlen „unverantwortlich“, wie es Karen Ehlers von der Betriebsgruppe der Lehrergewerkschaft GEW formuliert.

Wie schnell eine ganze Schule dicht ist, weiß man an der Ida Ehre jetzt

Wie waren für sie die zwei Wochen, als die IES fast als einzige in Hamburg im Lockdown war? „Furchtbar“, sagt Ehlers, „wir sind Lehrer geworden, um mit Kindern zu arbeiten. Nicht mit Bildschirmen.“ Dennoch protestiert sie jetzt für mehr Unterricht aus der Ferne. An der Ida Ehre Schule wissen sie, wie schnell der gesamte Betrieb dichtgemacht werden kann, das wollen sie im bevorstehenden Coronawinter nicht noch ein zweites Mal erleben.

Die pragmatische Lösung: „Präsenzunterricht“ nur in kleineren Lerngruppen im Klassenraum und die andere Gruppe zu Hause lernen zu lassen. Ehlers: „Die Arbeit mit Videokonferenzen funktioniert deutlich besser als im Frühjahr. Wir haben alle viel gelernt seit dem Lockdown im März.“ In einer großen schulinternen Fortbildung hat das Kollegium gelernt, mit der IServ-Plattform zu arbeiten, was auch bei jüngeren Klassen erstaunlich gut funktioniert habe. „In diesen besonderen Zeiten“, so fordern es die Demonstranten daher, solle „Schulsenator Ties Rabe, im Interesse unserer Gesundheit daher jetzt geteilte Lerngruppen erlauben.“

Malte Willms aus dem Elternrat der IES hat an den Senator per Pappschild appelliert, die Schule einfach machen zu lassen. Er findet es „notwendig, jetzt mit dem Hybridunterricht zu beginnen. Das bedeutet zwar Mehrarbeit für alle, ist aber möglich und machbar“. Er kritisiert, dass an der Schule sehr große Klassen in zu kleinen Räumen unterrichtet werden. „Das Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen ist für mich keine Überraschung“, so Willms.

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