Sein Hobby machte ihn als „Froschönig“ bekannt: Rolf Heinzke in seinem Garten. Foto: Dirk Andresen
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Warum Rolf Heinzke für den Erhalt der Natur in seiner Nachbarschaft kämpft

Dirk Andresen, Lurup

Rolf Heinzke schlüpft gerne in die Rolle des Lebensretters. Im Frühsommer beispielsweise, als er insgesamt 15 Stockentenküken und ihre Mütter aus einem Graben im Depenkamp mehr als eineinhalb Kilometer zum Schacksee begleitete – und beschützte. Vor räuberischen Krähen und anderen Raubvögeln, die sich nur zu gerne auf seine Schützlinge gestürzt hätten.

Die Frösche fühlen sich in Rolf Heinzkes Teich so wohl, dass es in 60 Jahren rund 150 wurden. Repro: Dirk Andresen

Bekannt wie ein bunter Hund in seiner Gegend wurde der 83-Jährige allerdings wegen eines anderen tierischen Zeitgenossen. Als „Froschkönig von Lurup“ erreichte Heinzke zumindest lokale Bekanntheit. Und er verteidigt seine Lieblinge auch jetzt wieder vehement.

Weil einige Anwohner im Depenkamp endlich einen vernünftig ausgebauten Fuß- und Radweg für ihre Straße fordern (das Elbe Wochenblatt berichtete), machen sich Heinzke und andere Naturfreunde nachhaltig für den teils tiefen Graben vor ihrer Gartenhecke stark. Dieser solle quasi als Biotop erhalten bleiben, damit seltene Tiere und Insekten darin wachsen und gedeihen können.

Vor 60 Jahren brachte mir ein Nachbarsjunge einen kleinen Frosch, den ich in einen Tümpel bei uns im Garten setzte. Aus dem Tümpel wurde ein Teich und aus dem Frosch ein ganzes Volk
Rolf Heinzke,
Anwohner des Depenkamps

Denn: Jeweils im Frühjahr und im Herbst erfreuen rund 150 Grasfrösche aus Rolf Heinzkes Gartenteich ihn und andere Bewunderer in der Umgebung mit ihrer Froschparade. Im April haben die bis zu zehn Zentimeter langen Tierchen genug vom Winterschlaf in ihrem schlammigen Teich und ziehen quer über den Rasen der Familie Heinzke durch die Hecke zunächst in den Graben vorm Haus. „Dort gibt es genug zu fressen für alle und durch die vielen Gräser auch genügend Schutz. Die Umgebung ist außerdem ausreichend feucht“, so Rolf Heinzke.

Schulklassen besuchen das Froschparadies

Seine Frau Marion ergänzt: „Das ist jedes mal ein tolles Schauspiel.“ Angefangen hat alles vor knapp 60 Jahren, als der damals junge Eisenbahner zu seiner frisch angetrauten Frau in den Depenkamp zog. „Damals brachte mir ein Nachbarsjunge einen kleinen Frosch, den ich in einen Tümpel bei uns im Garten setzte. Aus dem Tümpel wurde ein Teich und aus dem Frosch ein ganzes Volk.“ Das nach dem Aufenthalt im Graben bis zu einem knappen Kilometer weit weg von dem heimischen Teich zieht. Und im Oktober/November die gleiche Tour noch mal anders rum zurück in den Teich macht. Bei diesen Wanderungen steht Rolf Heinzke nicht selten die halbe Nacht mit der Taschenlampe vor seinem Haus, um seinen „Untertanen“ einen sicheren Heimweg auszuleuchten. „Wenn da mal ohne Vorwarnung ein Auto kommt, bleiben schon mal ein paar Frösche auf der Strecke“, so Heinzke.

Rolf Heinzke im Depenkamp: Ihm und vielen Anwohnern ist der Erhalt der Straßengräben wichtig. Foto: Dirk Andresen

Mit seiner Froschliebe hat er es auch pädagogisch ziemlich weit gebracht. Zwei- bis dreimal im Jahr besuchen ganze Schulklassen samt Lehrer das Luruper Froschparadies. „In diesem Jahr wollten sogar fünf Klassen kommen, aber das mussten wir wegen Corona absagen.“

Wie wichtig Heinzke seine schleimigen Freunde sind, zeigte sich 2002. Da wurde eigens der Teneriffa-Urlaub abgebrochen, um die Frösche am Depenkamp noch rechtzeitig und sicher über die Straße zu bringen. Soviel scheint sicher: Rolf Heinzke wird noch viele Leben retten. Vor und hinter seine Hecke, auf der Straße – und in seinem Teich sowieso.

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