Letzter Teamcheck von Norman Heimbürger und Torben Schröder (r., beide DRK Harburg), vor den Corona-Tests an der Ida Ehre Schule. Foto: DRK
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Corona-Pandemie: Infektionszahlen steigen – Schulbehörde hält am Präsenzunterricht fest

Olaf Zimmermann, Hamburg

Zehn Tage Lockdown light. Die Beschränkungen werden in Hamburg weitgehend eingehalten, doch die Infektionszahlen steigen wie erwartet weiter. An Schulen, aber auch wieder in Pflegeheimen. Krankenhausbetten füllen sich mit Corona-Patienten. Eine Nachverfolgung der Infektionsketten ist kaum möglich. Die Gesundheitsbehörde empfiehlt deswegen allen Hamburgern, ein Kontakttagebuch zu führen. Ob der Lockdown light den Anstieg der Infektionen stoppen kann, wird sich in einer Woche zeigen. Vorerst gilt weiterhin: Kontakte zu anderen auf ein Minimum reduzieren, Abstands- und Hygieneregeln einhalten, Masken tragen.

Die Schulen werden zu Hamburgs offener Flanke in der Corona-Pandemie
Birgit Stöver
CDU-Schulpolitikerin

Heftig gestritten wird über die Frage, wie lange der Schulunterricht weiter wie bisher als Präsenzunterricht durchgeführt werden kann. Klar ist: Kinder haben ein Recht auf Bildung und nicht in allen Familien ist die für Digitalunterricht erforderliche Ausstattung vorhanden.
Fest steht aber auch, dass sich in der vergangenen Woche mehr Schüler und Lehrer mit dem Corona-Virus infiziert haben, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Coronafällen pro 100.000 Einwohner eine Verkleinerung der Lerngruppen und eine Einhaltung des Abstandsgebots auch während des Unterrichts. Die Hamburger Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag bei 163 (!).

Noch im August hatte Schulsenator Ties Rabe im Wochenblatt-Interview erklärt, dass, „wenn die Infektionszahl in Hamburg über 50 pro Woche und 100.000 Einwohnern steigt, alle Schülerinnen und Schüler (…) immer den Mindestabstand einhalten müssen, selbst dann, wenn sie aus derselben Klasse kommen“. Die Klassen würden dann in jeweils zwei kleine Lerngruppen geteilt und diese Lerngruppen dann abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet.

Das gilt jetzt nicht mehr. Warum? „Weil die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer entschieden haben, dass die Schulen geöffnet bleiben sollen, obwohl die Inzidenz in Deutschland deutlich über 50 Infektionen pro Woche und 100 Einwohnern liegt“, erläutert Schulbehördensprecher Peter Albrecht.

„Die Schulen werden gerade zu Hamburgs offener Flanke in der Corona-Pandemie“, kritisiert CDU-Schulpolitikerin Birgit Stöver. „Es ist gerade jetzt nicht sinnvoll, dass die meisten Schüler zur gleichen Zeit anfangen und auf dem Schulweg in vollgestopften Bussen unterwegs sind.“
Und Sabine Boeddinghaus (Linke) fordert: „Unterricht muss künftig in kleineren Gruppen stattfinden. Es passt nicht zusammen, wenn sich nur noch zehn Personen aus nur zwei Haushalten treffen dürfen, aber in den Schulen weiterhin 25 Schüler aus 25 Haushalten im gleichen Klassenraum sitzen und dem Senat dazu dann nur Stoßlüften einfällt“.
An der Ida-Ehre-Schule wurden am Freitag vom DRK Harburg 1.200 Schüler und Lehrer getestet. „In der Regel ist das bezirkliche Gesundheitsamt zuständig. Aber in diesem Fall haben wir das entschieden und organisiert, weil wir nicht die ganze Schule 14 Tage in Quarantäne sehen wollten“, sagt Peter Albrecht. „Bezahlt werden die Reihentestungen von den Krankenkassen.“
Müssen sich Hamburger Schulbeschäftigte, die am Sonnabend in Leipzig an der „Querdenker-Demonstration“ teilgenommen haben – hier waren Tausende Menschen ohne Masken und ohne Abstand unterwegs- jetzt auf Corona testen lassen? Oder können sie weiterhin unterrichten? Bis Redaktionsschluss lag hierzu keine Antwort der Schulbehörde vor.

 

Infektionen an Schulen

Für Samstag sind 85, für Sonntag 40 und für Montag 40 Neu-Infektionen an Schulen gemeldet worden, davon insgesamt 128 bei Schülern sowie 37 bei Schulbeschäftigten – unter anderem am Helmut-Schmidt-Gymnasium, der Nelson-Mandela-Schule im Stadtteil Kirchdorf, der Stadtteilschule Altona, der Stadtteilschule Am Hafen, der Stadtteilschule Wilhelmsburg, der Grundschule Arnkielstraße sowie an der Louise Schroeder Schule. An der Ida Ehre -Schule wurden durch die Reihentestung 31 Infektionen bei Schülern und neun bei Schulbeschäftigten festgestellt. Zwölf Klassen kamen in Quarantäne.

Insgesamt liegen aktuell 684 Infektionen von Menschen aus dem schulischen Kontext an 213 Schulen vor, davon 534 Schüler sowie 150 Schulbeschäftigte.

Aktuell befinden sich insgesamt 76 Klassen (von rund 9.500) sowie 250 weitere Schulbeschäftigte in Quarantäne.

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