Ein Bild des Jammers: fehlende Messingbuchstaben auf Grabsteinen. Foto: pr
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Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Auf dem Friedhof Finkenriek treiben Metalldiebe ihr Unwesen. Immer wieder fehlen Wasseranschlüsse, zuweilen auch teure Grablaternen, die samt Sockel aus dem Beet herausgerissen werden.
Am ärgsten trifft die Beteiligten der Verlust der Messingbuchstaben aus den Grabinschriften – nicht in materieller, sondern in ideeller Hinsicht: Denn dann kann man oft nicht mal mehr sehen, wer dort im Einzelfall beerdigt liegt. „Rund zehn bis 20 Gräber sind betroffen“, schätzt Jörn Kempinski vom Beerdigungsinstitut Lehmann.
In diesem Frühjahr habe das mit der Klauerei angefangen. „Es wird Zeit, das sich etwas tut“, findet der Bestatter. Was macht Finkenriek für Diebe so attraktiv? Friedhofsverwalter Bernd Habermann weist darauf hin, dass das Gelände nachts nicht abgeschlossen wird, da ein öffentlicher Weg hindurch führt. „Bis 15 oder 16 Uhr sind wir hier, danach nicht mehr“, sagt er.
Auch sonst hätten die Mitarbeiter kaum Möglichkeiten, der Sache nachzugehen. „Seit einigen Jahren nimmt die Anzahl der Angestellten kontinuierlich ab“, berichtet Habermann. „Wenn einer ausscheidet, wird die Stelle nicht mehr nachbesetzt. Wir waren mal über zehn Leute, jetzt sind es nur noch vier.“
Nach Auskunft der Polizei wurden seit Juni keine neuen Taten auf dem Friedhof Finkenriek zur Anzeige gebracht. „Insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2020 wurden verstärkt uniformierte und zivile Streifen auf dem Friedhof und im Umfeld zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten eingesetzt“, sagt Polizeipressesprecher Daniel Ritterskamp. Immerhin einen Teilerfolg konnten die Ordnungshüter verbuchen: „Mitte Juni konnte eine männliche Person vorläufig festgenommen werden, die versuchte, metallische Grabbuchstaben bei einem Altmetallhändler zu veräußern“, berichtet der Sprecher.
Eine Nachfrage des Wochenblatts beim Bezirksamt – insbesondere zum Thema Personalmangel – blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Angeblich soll Finkenriek in nächster Zeit in die Verwaltung des Landesbetriebs Friedhöfe übergehen.

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