Idylle mit Wiese und Bäumen: die umstrittenen Brünschenwiesen. Foto: mg
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Ein Teil der grünen Oase wird bebaut: Schulen brauchen Platz für Erweiterung

Jörg Marwedel, Rissen

Die Rissener Brünschenwiesen zwischen Elbe und der Bundesstraße 431 Richtung Wedel waren schon mehrmals Zankapfel zwischen Bürgern und Politikern. In den siebziger Jahren verhinderte eine Bürger-Kampagne, dass ein Teil der artenreichen Nasswiesen dem Ausbau der B431 zum Opfer fiel. 2003 war die Initiative „Rettet die Brünschenwiesen“ mit mehreren tausend Unterschriften erfolgreich, den Plan von CDU und Schill-Partei zu stoppen, dort 90 Einfamilienhäuser zu errichten.
Die dritte Auseinandersetzung werden die Naturschützer nun vermutlich verlieren. Bei der Anhörung in der Aula des Rissener Schul-Campus trafen 60 maskenbeschützte Bürger und bis zu 183 Zuhörer beim Livestream der Bezirksversammlung Altona auf fünf Experten der Stadt. Es ging um das Vorhaben der Schulbehörde, auf einem Teil der Brünschenwiesen an der Straße Eibenkamp ein Oberstufenzentrum für die Stadtteilschule und das Gymnasium Rissen zu errichten. Bisher hatte die Behörde eher heimlich an diesem Projekt gearbeitet. FDP-Fraktionsvorsitzende Katarina Blume sagte, es sei schön, dass „dieses Thema jetzt rauskommt aus dem Graubereich der Spekulation“.

Entscheidung soll schon im Dezember fallen
Allerdings sind die Planungen offenbar viel weiter, als offiziell zugegeben. Christian Gäckle von der Stabsstelle Schulentwicklung erläuterte, man erwarte in Rissen in den kommenden zehn Jahren eine Schülerzunahme von 15 bis 20 Prozent, was weit über dem Durchschnitt liege. Schon im Dezember solle eine Entscheidung fallen, damit der Zusatzbau (neun Millionen Euro sind bereits genehmigt) Mitte 2024 bezogen werden kann.
Der Antrag der SPD und Grünen in der Bezirksversammlung, aus dem Landschaftsschutzgebiet Brünschenwiesen das dritte Naturschutzgebiet zwischen dem Schnaakenmoor im Klövensteen und Wittenbergen zu machen, wird von den Behördenvertretern nicht unterstützt. Auf der neunstufigen Naturschutz-Skala hätte das Revier trotz zwölf Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen und Vögeln wie Eisvogel oder Kiebitz, nur zwischen vier und sechs Punkte erreicht, teilte ein Sprecher der Umweltbehörde mit.
Die Schulleitungen Kirsten Nicklaus (Gymnasium) und Claas Grot (Stadtteilschule) wiesen wie Gäckle auf den wachsenden Stadtteil Rissen hin und betonten, wie wichtig das Thema Naturschutz für sie sei. Die Elternratsvorsitzende Anke-Linda Schmidt schwärmte gar von einem „Leuchtturm-Projekt Umweltschule“, in dem sich die Gebäude harmonisch mit begrünten Dächern und Holzpavillons in die Landschaft schmiegen. Schon jetzt hat man von dem drei Hektar großen Areal einen Hektar gepachtet. Dort imkern die Schüler, betreuen 25 alte Apfelsorten und befestigten den Spazierweg. Die 1400 Schüler hätten jetzt schon zu wenig Platz, sagte Grot, der auch auf fehlende Sportmöglichkeiten hinwies.
Ausgerechnet Gesche Boehlich, die Grünen-Fraktionsvorsitzende, will sich dem Schulvorhaben an den Brünschenwiesen „nicht entgegenstellen“. Ihr SPD-Kollege Thomas Adrian sah sich „dicht“ bei Boehlich. Sein Parteifreund Henrik Strate, der den Versammlungsleiter gab, hatte sich dagegen für ein Naturschutzgebiet Brünschenwiesen eingesetzt.

Welche Alternativen gibt es?
Gegen den Bau sind der Nabu, die BI „Rettet den Klövensteen“, die Bewegung „Vorrang für Integration und Nachhaltigkeit in Rissen“ oder die Interessengemeinschaft Hartkrögen. Ihre sechs Alternativen sind für die Schulbehörde offenbar keine Lösungen, stellte Wolfgang Ziegert (Linke) fest, egal, ob es sich um das Rückhaltebecken nahe der Flerrentwiete oder ein Areal am Rissener Dorfgraben handelt, das allerdings von Hochspannungsleitungen überspannt ist.
Dass Schulentwickler Christian Gäckle die Bürger aufforderte, ihm weitere Ausweichmöglichkeiten zu schicken, wirkte angesichts des knappen Zeitfensters wie ein Ablenkungsmanöver. Zwei Fragen tauchten besonders häufig auf: Warum hat man den Sportplatz Iserbarg nicht für die Schulen reserviert, anstatt ihn für den Wohnungsbau freizugeben? Warum wird nicht in Iserbrook oder Sülldorf gebaut, wo 2100 Wohnungen an der Osdorfer und Sülldorfer Landstraße gebaut werden sollen? Gäckle: 2015 hätte man den Schülerzuwachs in Rissen noch nicht absehen können. Sülldorf/Iserbrook sei eher ein „langfristiges Projekt“.

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