Diplompädagogin Katharina Roger und ihr vierköpfiges Team kümmern sich um die Nöte gestresster Eltern. Foto: cvs
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Arbeitskreis Familienhilfe: Auch während – oder vielleicht gerade wegen – Corona können Eltern eine Kur beantragen.

 

Depressionen, Schlafstörungen, Erschöpfung: Das sind nur drei der häufigsten Symptome, mit denen Mütter und Väter in die Sprechstunde des Deutschen Arbeitskreises für Familienhilfe in der Max-Brauer-Allee kommen. „Gerade jetzt in Coronazeiten erleben wir Eltern als extrem belastet und dünnhäutig“, sagt Diplompädagogin Katharina Roger. Home-Office und Home-Schooling, aber auch räumliche Enge sowie Zukunftsängste spielten eine wichtige Rolle. „Man merkt, dass familiäre Probleme in letzter Zeit zunehmen“, berichtet Roger.

Der Verein, der seit rund 60 Jahren besteht und seine Zentrale in Süddeutschland hat, bietet überforderten oder auch kranken Eltern die Möglichkeit, an einer Kur teilzunehmen. In einer von sechs Fachkliniken zwischen Schwarzwald und Ostsee können die Betroffenen von ihrem oft stressigen Familienalltag abschalten und neue Kraft tanken. Das Motto lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. „In welchem Hamsterrad laufe ich eigentlich die ganze Zeit? Wo kann ich mir Nischen schaffen? Das sind Lernprozesse, von denen Eltern auch langfristig profitieren“, erklärt Roger.

Angeboten werden Bewegungsübungen (Gymnastik, Kreislauftraining), Entspannung (Yoga, Meditation), wie auch Koch- und Ernährungskurse (etwa bei Diabetes, Übergewicht). Die Altonaer Beratungsstelle hilft dabei, die richtige Klinik zu finden und einen Therapieplan zu erstellen. Eine Mutter-Kind-Kur (wobei der Väter-Anteil in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist) dauert im Regelfall drei Wochen, die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Auch Kinder (bis zum Alter von zwölf Jahren) können mitgenommen werden – als Begleitung oder auch als Patient.

Und wie sieht das Pandemiekonzept aus? Die Häuser wurden coronagerecht umgebaut, die Gästezahl hat sich deutlich verringert. Trotz der Einschränkungen verzeichnet der Arbeitskreis Familienhilfe für das laufende Jahr bereits 230.000 Übernachtungen – der übliche Durchschnittswert liegt bei 380.000 Übernachtungen (für das ganze Jahr).

Bundesweit stehen rund 1300 Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände als Anlaufpunkte zu Fragen rund um eine „Eltern-Kind-Maßnahme“ zur Verfügung. Die größte Dichte an Beratungsbüros (circa 400) bietet die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung. Laut Online-Lexikon Wikipedia ist die Zahl der „Kurmütter“ zwischen 2003 und 2013 von 46.000 auf 49.000 Teilnehmerinnen angestiegen. Bei den Vätern stieg die Zahl von 650 (2007) auf 1.600 (2018).

>>www.ak-familienhilfe.de

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