Der Seelemannpark, im Hintergrund der Turm der St.-Johannis-Kirche und das Alsterufer
Der Seelemannpark, im Hintergrund der Turm der St.-Johannis-Kirche und das Alsterufer
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Um das Jahr 1480 sollen in Eppendorf zwei Schwestern gelebt haben, die von ihren Eltern einen großen Kohlgarten geerbt hatten. Doch der Kohl der jüngeren Schwester gedieh nicht so gut, wie der der Älteren. Um dies zu ändern, versuchte es die Jüngere mit Zauberei. Als sie beim heiligen Abendmahl in der St.-Johannis-Kirche die Hostie empfang, aß sie diese nicht auf, sondern bewahrte sie in ihrem Mund und vergrub die Hostie zur nächsten Mitternachtsstunde in aller Teufel Namen unter einem ihrer Kohlsträuche. Und es geschah: Der Kohl wuchs prächtig. Aufkäufer und Verhöker aus Hamburg kamen zu der Bäuerin und boten ihr viel Geld für ihren Kohl.

Nachbarn bemerkten jedoch, dass des nachts ein seltsamer Lichtstrahl aus dem Garten schimmerte, der wie ein Heiligenschein den Kohlstrauch umgab. Dies berichteten sie den Mönchen des Klosters Harvestehude, die daraufhin in einer Prozession zum Garten zogen und den ungewöhnlich groß gewachsenen Kohlstrauch ausgruben. Als sie die Kohlwurzel erblickten, sanken sie auf die Knie, denn diese zeigte deutlich das Bildnis Jesu Christi am Kreuze. Der Bäuerin wurde der Prozess gemacht und nachdem sie ihre Schandtaten gestanden hatte, wurde sie 1482 wegen Hostienschändung verbrannt. So beschreibt es der Stadtarchivar Otto Beneke in seinem Buch „Hamburgische Geschichten und Sagen“.

Die Hinrichtung hat tatsächlich stattgefunden. Der Hamburger Rechtsgelehrte Carl Trummer berichtet von dem Fall in seinem Werk „Vorträge über Tortur, Hexenverfolgungen, Vehmgerichte und andere merkwürdige Erscheinungen in der Hamburgischen Rechtsgeschichte“. Und selbst die Kohlwurzel ist erhalten geblieben und gehört als „Eppendorfer Alrauneheute zum Kunsthistorischen Museum in Wien. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass das Kruzifix eine Schnitzerei ist und nicht auf natürliche Art entstanden sein kann. Auch für den Heiligenschein gibt es eine Erklärung: Der Heimatforscher Armin Clasen vermutet, dass sich der Garten auf dem Gebiet des heutigen Seelemannparks am Ufer der Alster befand und der Lichtschein durch Sumpfgase entstanden ist.

Von solchen und ähnlichen Fällen wird zu hören sein, bei „66…Hex! Spuren der Hexenverfolgung“, einem Rundgang durch die Hamburger Altstadt mit dem Autoren dieses Artikels. Außerdem wird Lucas Kaminski seine Zauberkunst präsentieren und La Carolina zusammen mit Pantagruel Krause einen Hexentanz darbieten. Das Ganze findet statt am 31. Oktober, ab 18 Uhr in der Kaffeeverkostung Hamburg, Bei den Mühren 65. Hier kann man sich dafür anmelden.

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