Das Eckhaus Fährstraße 115/Hafenrandstraße mit der auffälligen Wandbemalung muss womöglich dem Deichschutz weichen. Foto: pr
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Wohnprojekt Fährstraße: Bewohner ziehen vor Gericht

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg

Im Streit um das Wohnprojekt Fährstraße 115 haben sich die Fronten verhärtet: Der Widerspruch der Bewohnerschaft gegen eine Enteignung durch die Stadt Hamburg wurde kürzlich vom Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) abgelehnt. Dagegen haben die Betroffenen nun Klage erhoben. „Trotz des Aufwands und der zu erwartenden hohen Kosten haben wir uns entschieden, vor das Verwaltunggericht zu ziehen“, sagt Joachim van Edom, einer von insgesamt 16 Mietern.

Über den Altbau mit der markanten Wandbemalung an der Ecke zur Hafenrandstraße hatte das Wochenblatt zuletzt im Mai berichtet. Anlass: Die Bewohner – Studenten, Auszubildende und junge Berufstätige – wollten ihrem Vermieter das Haus, in dem sie seit 13 Jahren leben, abkaufen. Dieser hatte bereits sein Einverständnis signalisiert. Über das sogenannte Mietshäuser-Syndikat – eine nicht-kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft zum gemeinschaftlichen Erwerb von Häusern – sollte der Kauf finanziert werden. „Die Form des solidarischen Zusammenlebens sowie der günstige Mietpreis wären damit dauerhaft gesichert worden“, schreiben die Bewohner in einer Erklärung.

Doch die Umweltbehörde (neue Abkürzung: BUKEA) stellte sich quer: Weil das Haus – angeblich – zu nah am Deich liegt, und damit einer möglichen künftigen Erhöhung im Weg stehen könnte, machte die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend. Dieses Recht, das der Stadtverwaltung in Hamburg grundsätzlich zusteht, kommt zwar nur in etwa einem Prozent aller Fälle zur Anwendung – dieser Fall scheint aber tatsächlich außerordentlich wichtig zu sein.
„Vor dem Hintergrund der neusten Erkenntnisse zum Meeresspiegelanstieg durch den Klimawandel ist eine Anpassung des Deiches an dieser Stelle unausweichlich“, sagt Behördensprecher Björn Marzahn.

Den Bewohnern sei im Gespräch Unterstützung angeboten worden für das Finden einer alternativen Immobilie oder Fläche in Wilhelmsburg. „Der Planungsprozess zur Erhöhung des Deiches wird parallel fortgesetzt“, so Marzahn.

Die Bewohner halten den Abstand ihres Grundstücks zum Deich mit rund 25 Metern für ausreichend groß. Sollte sich die Stadt durchsetzen, wäre dies für das junge Kollektiv ein herber Verlust: So haben die Mieter seit ihrem Einzug ein Großteil der Innenarbeiten (Streichen, Fußböden schleifen, Dachboden- und Kellerausbau) selbst übernommen. Über die Jahre hat sich die „EinsEinsFünf“ zu einem Herzensprojekt entwickelt. „Die Stadt lässt uns hängen“, sagt Joachim van Edom. „Wir wissen gar nicht, was wir falsch gemacht haben.“

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