Plakatcollagen der Goethe Schule Harburg am Bauzaun (Foto Gisela Baudy)
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Letztes Handanlegen beimWalls can dance-Projekt der GSH mit Künstlerduo Various & Gould

Das vorerst letzte WALLS CAN DANCE-Kunstwerk ist sichtbar. Unter Beifall und Applaus endete am 1. Oktober 2020 (vorläufig) das Freiluft-Kunstprojekt „WALLS CAN DANCE“ (WCD) – an einem Bauzaun mitten in Harburgs Einkaufszone. Dort zieren jetzt 22 Patchwork-Plakate die lange Bretterwand. Sie zeigen, was die Schülerinnen und Schüler der Goethe Schule Harburg (GSH) zu Kinderrechten und ihrem persönlichen Bezug dazu erarbeitet hatten. Zur Seite standen ihnen das  Künstler*innen-Duo Various & Gould sowie die Bildungsreferentin Christina Castillón. Initiiert hatten diese Kunstaktion Globales Lernen Harburg und das Urban Art Institute Hamburg. 

Schüler*innen der Goethe Schule Harburg mit Lehrerin Anne Bettaque und Various & Gould (rechts) (Foto und Collage Gisela Baudy)
Schüler*innen der Goethe Schule Harburg mit Lehrerin Anne Bettaque und Various & Gould (rechts) (Foto und Collage Gisela Baudy)

Bis kurz vor Mittag ist es noch ein unauffälliger Bretterzaun, mal abgesehen von ein paar Kritzeleien hier und da. Doch dann kommen sie: junge, maskierte Plakateur*innen der GSH mit einer Hand voll Erwachsener und bauen sich davor auf – in der Seevepassage, Ecke Rieckhofstraße. Sie haben sich für ihre Aktion einen guten Tag ausgewählt, denn es war sonnig und vor allem trocken. Schnell ist ein Tapeziertisch aufgestellt und mit einer Plastikplane überzogen. Holzleimdosen, Schwämme, Küchenkrepp und Kleberollen verstreuen sich bald darauf. Runde und eckige Eimer in hellblau und rot, Wasserflaschen und Kleisterbürsten gesellen sich zu den Rucksack-Depots auf dem Boden rechts und links vom Tisch.

V.l.n.r.: Lea Koch und Jana Fuchs (Foto Gisela Baudy)
V.l.n.r.: Lea Koch und Jana Fuchs (Foto Gisela Baudy)

Einige Passanten beobachten kurz das bunte Treiben. Wer länger und corona-bedingt auf Abstand bleibt, gehört entweder zu den Veranstalter*innen Globales Lernen Harburg und das Urban Art Institute oder zur GSH, zur örtlichen On- und Offline-Presse oder zur Verwaltung des Bezirks – wie sich später herausstellt, als Lea Koch von Globales Lernen die Umstehenden um Handzeichen bittet.

Punkt zwölf Uhr platziert ein hochgewachsener Mann mit blauem Overall und roter Baseball-Kappe das letzte Plakat am Bauzaun, während eine Frau im roten Arbeitsanzug die Bilderreihe aus Publikumsdistanz abschließend begutachtet. Es muss das Künstler*innen-Duo Various & Gould sein.

Ja, sie seien sehr zufrieden mit sich, die Schüler*innen der 7. Klasse der GSH, bestätigen die Kids auf spezielle Nachfrage von Various & Gould. Applaus. Sie könnten zudem stolz auf sich sein, denn sie hätten sich mehrere Tage inhaltlich und künstlerisch mit der Frage auseinandergesetzt, welche zivilen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte Kinder haben und was dies mit jeder und jedem Einzelnen von ihnen zu tun hat. Erneutes Händeklatschen. Und nun klebe ihre Arbeit direkt vor ihrer Nase am Bauzaun, für alle sichtbar, die auf ihrem Einkaufsbummel hier vorbeikommen. Wieder Applaus. Außerdem sei ihr Werk insgesamt ein Teil der Harburger Stadtkunst-Aktion „WALLS CAN DANCE – Wir lassen Wände tanzen“, wie Jana Fux vom Urban Art Institute ergänzt. Und nochmals ein kräftiges In-die-Hände-Klatschen  für die jungen Gestalter*innen.

Gegen halb eins löst sich die Versammlung langsam auf und der Geräuschpegel sinkt. Doch der einst langweilige Zaun spricht nun Bände mit farbkräftigen Collagen: Kombinationen aus Wörtern und neu zusammengesetzten Gesichtern schauen uns unverwandt an. Sie verraten, was die Jugend von heute denkt und fühlt, welche Probleme sie sehen, welche Ziele, Hobbies und Wünsche sie hat. Sie möchte beispielsweise Musik hören, zeichnen, Bäume pflanzen oder bloggen, Rapper*in oder Ärztin werden, sie fühlt sich hilflos und auch glücklich, sie sorgt sich um den Klimawandel, vermisst Gerechtigkeit für Menschen mit Handicap, wünschen ein Bleiberecht für Geflüchtete und ein Kinderparlament und vieles mehr – Hingehen und Nachlesen lohnt sich.

Mit diesem neunten und vorerst letzten Werk aus der WCD-Reihe haben die Schüler*innen gemeinsam das Grundprinzip nachhaltiger Entwicklung bildlich perfekt umgesetzt: Vielfalt statt Einfalt. Sie ehren bekannte Jugendaktivist*innen aus aller Welt, wie etwa die Klima-Aktivist*innen Greta Thunberg (Schweden), Vanessa Nakate (Uganda) oder Felix Finkbeiner (Deutschland), Frauenrechts-Akteurinnen wie Malala Yousafzai (Pakistan) oder Khadjon Sambe (Senegal), Anti-Diskriminierungs- und Inklusions- Aktivist*innen wie Natalie Dedreux (Deutschland), Jazz Jennings (USA), Cavanaugh Bell (USA) oder die Rapper Graf Fidi (Deutschland) und Motando Castlo (Deutschland-Kongo).

„Mal sehen, wie lange die Plakate hängen werden“, verabschieden sich Various & Gould und packen zusammen.

Text Chris Baudy
Bilder Gisela Baudy

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