9.453 Unterschriften wurden gesammelt. Foto: Zukunft Elbinsel
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Groß-Sand: Pflegeschule geschlossen – Konzept des Erzbistums für das Krankenhaus wird von Experten überprüft – 500 Teilnehmer bei Demonstration

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg

Die Wilhelmsburger kämpfen um ihr Stadtteilkrankenhaus. An der Demonstration für den Erhalt der Klinik Groß-Sand haben sich rund 500 Menschen beteiligt. Es war ein Tag der Trauer und des Zorns, denn die Schließung der dazugehörigen Pflegeschule Groß-Sand konnte nicht verhindert werden. Da halfen auch die in kurzer Zeit und unter Corona-Bedingungen fast 10.000 gesammelten Unterschriften nicht.

Unser kleines Krankenhaus ist aus meiner Sicht aber gesundheitspolitisch
systemrelevant
Wolfgang Reinpold,
Chefarzt Chirurgie

Alte Bausubstanz, hohe Pensionsversprechen und wenige Privatpatienten im Stadtteil machen das 200-Betten-Haus Groß-Sand für das Erzbistum, den Eigentümer des Krankenhauses, zum Zuschussgeschäft. Die Stadt hat finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt, wenn ein tragfähiges Konzept auf die Beine gestellt wird. Daran arbeiten derzeit Sozialbehörde, Erzbistum, Kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassenverbände.
Wie ist der Sachstand? „Die Berechnung des Krankenhauses soll noch durch ein unabhängiges Beratungsinstitut bestätigt werden“, sagt Erzbistumssprecher Manfred Nielen. „Eine eventuelle Veränderungsvariante am Konzept muss ebenfalls berechnet und geprüft werden.“

Für die Wilhelmsburger Ärzteschaft sagt Hausarzt Olaf Settgast: „Es wäre schlichtweg eine Katastrophe, wenn das Krankenhaus Groß-Sand für die Versorgung der Bevölkerung in Wilhelmsburg wegbricht!“

Und Manuel Humburg, lange Jahre Hausarzt auf der Elbinsel und Mitinitiator der Demonstration, meint: „Wir haben Verständnis, wenn sich das Bistum mit der Verwaltung überfordert fühlt und die Krankenhäuser seiner Ansgar-Gruppe verkaufen will. Kein Verständnis haben wir allerdings, wenn das Bistum deshalb bereit wäre, ausgerechnet die sogenannte ‘Insel der Menschlichkeit’ dem Profit zu opfern. Die Kirche darf sich nicht zurückziehen und dabei in einem der ärmsten Hamburger Stadtteile verbrannte Erde hinterlassen!“

Dr. Wolfgang Reinpold, Chefarzt der chirurgischen Abteilung am Groß-Sand, schließt sich dem an: „Die Bundesgesundheitspolitik hat es sich leider zum Ziel gemacht, hier den Markt zu bereinigen. Unser kleines Krankenhaus ist aus meiner Sicht aber gesundheitspolitisch systemrelevant. Ich bitte den Träger und die Stadt Hamburg alles zu tun, das Krankenhaus Groß-Sand als Grund- und Regelversorger und Insel der Menschlichkeit zu erhalten.“

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