Seit 60 Jahre eine Idylle: die Alte Süderelbe. Foto: AKtionsbündnis Keine Öffnung der Alten Süderelbe
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Forum Tideelbe empfiehlt, diese Idee weiterzuverfolgen – Heftige Kritik aus ganz Süderelbe

Olaf Zimmermann, Süderelbe

Wird die Alte Süderelbe wieder an die Elbe angeschlossen? Der Bericht des Forums Tideelbe rückt diese Möglichkeit verstärkt ins Blickfeld.

Eindeichungen, der Ausbau der Häfen und Ausbaggerungen für Fahrrinnenvertiefungen: Von Menschen verursachte Eingriffe haben die Balance der Elbe nachhaltig durcheinander gebracht. Der immer größere Tidenhub und die immer höhere Fließgeschwindigkeit sorgen für immer größere Schlickmengen. Der Fluß braucht mehr Raum, um in das Gleichgewicht zwischen Ebbe und Flut zurückzufinden. Darüber, wo und wie dies erreicht werden kann, hat sich das Forum Tideelbe vier Jahre lang Gedanken gemacht – und jetzt seine Ergebnisse vorgestellt.

Die Maßnahmen werden die ökologisch nachteilige Entwicklung in der Tideelbe nur bedingt ändern können
Forum Tideelbe

Von über 20 Projektideen wurden drei untersucht: die Wiederanbindung der Alten Süderelbe, der Haseldorfer Marsch und der Dove Elbe an die Tideelbe. Der Wiederanschluss der Alten Süderelbe und der Haseldorfer Marsch an das Tidegeschehen soll jetzt genauer untersucht werden. Allerdings schränkt das Forum selbst ein: Die Maßnahmen werden „die ökologisch nachteiligen Entwicklungen in der Tideelbe jedoch nur bedingt ändern können.“
Heftige Kritik kommt vom Aktionsbündnis „Keine Öffnung der Alten Süderelbe“: „Im Falle einer Öffnung der Alten Süderelbe wären die negativen Effekte verheerend. Hier würde hochwertiger Naturraum vernichtet.

Rund 60 Jahre nach ihrer Abdämmung beherbergt die Alte Süderelbe als Lebensraum eine Vielzahl bedrohter Arten, deren Lebensraum komplett vernichtet werden würde. Ganz zu schweigen von den Folgen für den Hochwasserschutz und die Be- und Entwässerung des betroffenen Gebietes mit rund 200.000 Einwohnern im Hamburger Süden.“

Auch der Harburger Ozeanograph Kurt Duwe (FDP) lehnt die Pläne ab. „Mehr als eine halbe Milliarde Euro zur Zerstörung eines wertvollen Biotops? Was kann wahnsinniger sein?“ Nach ein paar Jahren wäre der Tiedeeffekt dahin, aber in jedem Fall würde das wertvolle Stillwasserbiotop und Naturschutzgebiet zerstört. Die SPD-Neugraben/Fischbek will die Planungen kritisch begleiten. „Das ist nichts, was mal eben am grünen Tisch oder in politischer Runde durchgewunken werden darf. Das betrifft uns hier vor Ort und hier werden wir uns auch einmischen“, kündigen Beate Pohlmann und Henning Reh an.

Wie geht’s jetzt weiter? „Wir werden nun die Empfehlung des Forums Tideelbe beraten und dabei die etwaige Öffnung der Haseldorfer Marsch und der Alten Süderelbe intensiv und im weiteren Austausch mit den betroffenen Bundesländern und relevanten Akteuren vor Ort prüfen, um anschließend zu einer Entscheidung zu kommen“, sagt Hamburgs SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf.

 

Forum Tideelbe

Beteiligt am Forum Tideelbe waren die zuständigen Minis-terien der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die Hamburg Port Authority, die Stiftung Lebensraum Elbe, Umwelt- und Naturschutzverbände, Vertreter der Kommunen entlang der Tideelbe, norddeutsche Wirtschaftsvertreter, die Fischerei, die Bauern- sowie die Wasser- und Bodenverbände.
Seit 2016 berät das Forum darüber, Maßnahmen zu finden, die die Tidedynamik in der Elbe verändert – hin zu einem ausgewogeneren Verhältnis von Ebbe und Flut.
Regelmäßig berichtete das Forum über seine Arbeit vor Ort in Hamburg und an der Haseldorfer Marsch.

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