Weihnachtsfreude mit Einschränkungen und Hygienekonzept: In Hamburg dürfen Weihnachtsmärkte immerhin stattfinden. Foto: Archiv
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Corona aktuell: Weihnachtsmärkte erlaubt, Strafen für „Mickey Mouse“ und Co., UKE prüft Impfstoff

Gaby Pöpleu, Hamburg

Endlich Klarheit für die Schausteller: Weihnachtsmärkte dürfen auch in diesem Jahr im Freien stattfinden – mit Einschränkungen. Die Veranstalter müssen sich Hygienekonzepte genehmigen lassen. Glühwein mit Alkohol darf ausgeschenkt werden, aber nur in abgetrennten Bereichen mit Sitzplätzen. Wenn die Infektionszahlen weiter zu sehr steigen, könnten Märkte wieder eingeschränkt oder der Alkoholausschank verboten werden.

Überhaupt soll in der Gastronomie – nach zwei Corona-Hotspots in der „Katze“ und im „Le Vou“ im Schanzenviertel – härter durchgegriffen werden, kündigte der Senat an. Wer falsche Kontaktdaten angibt, sich zum Beispiel als „Mickey Mouse“ oder ähnliches einträgt, muss mit 150 Euro Bußgeld rechnen. Wirte sollen prüfen, ob die Angaben glaubwürdig sind. Erheben sie keine Kontaktdaten und werden erwischt, sind bis zu 1.000 Euro fällig.

Hoffnung für Anwohner der Schanze

Für die seit Jahren unter Lärm und Müll vor ihrer Haustür leidenden Anwohner des Schanzenviertels dürften mehr Kontrollen ein Lichtstreif am Horizont sein: In einem Brandbrief an den Senat hatten sie schon im Juni mehr Kontrollen und die Durchsetzung der Corona-Regeln in ihrem Viertel eingefordert. Stadtteilbeirat und der Verein Standpunkt Schanze legten jetzt nach: „Die Behörden haben in keiner Form etwas an diesen ihnen zur Kenntnis gebrachten Zuständen geändert.“

In Harburg war unterdessen Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen mit Mitarbeitern auf Kontrollgängen unterwegs, um die Einhaltung der Coronaregeln zu prüfen und Tuchfühlung mit Geschäftsinhabern, Café- und Barbetreibern aufzunehmen. Weitere Überraschungskontrollen – allerdings ohne die Bezirksamtsleiterin – sollen in den kommenden Monaten folgen.

55 Schulklassen sind aktuell in Quarantäne

Mit steigenden Infektionszahlen kämpfen auch die Schulen: Seit dem Schulstart am 4. August haben sich 408 Schüler und Schulbeschäftigte aus 163 Schulen angesteckt. Derzeit sind 120 der 256.000 Hamburger Schüler und 29 von rund 24.000 Schulmitarbeitern krank. 55 von 9.500 Schulklassen sind gerade in Quarantäne. Aber: Die meisten Kranken haben sich wohl außerhalb der Schulen angesteckt, nur in drei Lehranstalten gab es Hinweise auf Ansteckungen in der Schule, teilt Senator Ties Rabes Behörde mit.
In der Praxis sind für Familien und Schulen Fragen offen. Zum Beispiel: Sollen auch Geschwisterkinder zuhause bleiben, wenn ein Schüler in einer Quarantäne-Klasse oder selbst Verdachtsfall ist? Die Schulbehörde verweist auf die Sozialbehörde. Aber auch die macht keine Vorgaben sondern verweist auf die bezirklichen Gesundheitsämter, die jeden Fall „einzeln bewerten“ und entscheiden müssten.

Senat rät von Urlaubsreisen ab

Klar ist hingegen: Die Hamburger sollen in den Herbstferien lieber nicht in Urlaub fahren, empfiehlt Sozialsenatorin Melanie Leonhard, „auch wenn wir alle gern dem Corona-Alltag wenigstens zeitweise entkommen“ möchten. Wer doch fährt, läuft Gefahr, nach der Rückkehr nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz oder in der Schule einzutreffen, falls inzwischen der Urlaubsort als Risikogebiet eingestuft wurde. Denn wer in einem Risikogebiet urlaubt, muss auf jeden Fall nach der Rückkehr in Quarantäne, bis ein negativer Coronatest vorliegt. Außerdem muss er sich beim Gesundheitsamt melden und ein – inzwischen auch digital vorhandenes – Formular ausfüllen.

Tests an Freiwilligen: UKE-Forscher prüfen Impfstoff

Gute Nachrichten gibt es unterdessen aus der Wissenschaft: Der an der Münchener Ludwig-Maximilians-Uni entwickelte Anti-Corona-Impfstoff „MVA-SARS-2-S“ geht in Hamburg in die klinische Prüfung. Forscher des Uniklinikums Eppendorf UKE unter der Leitung von Professorin Marylyn Addo prüfen, wie wirksam, sicher und verträglich der Impfstoff ist. Derzeit werden die ersten der insgesamt 30 freiwilligen Testpersonen ausgesucht. Ergebnisse erwarten die Wissenschaftler Ende des Jahres, dann folgt eine größere Studie.

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