Nathan Arileshere vom Quartiersmanagement Bahrenfeld. Foto: Dirk Andresen
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Bahrenfeld: Bis zu 1.000 Gefüchtete müssen umziehen

Von Dirk Andresen. Die Uhr tickt gnadenlos: Bis zu 1.000 der derzeit 3.000 in Bahrenfeld lebenden Flüchtlinge sollen in absehbarer Zeit innerhalb Hamburgs umgesiedelt werden. Die Angst unter den Betroffenen wächst. Denn die zwischen dem Senat, diversen Bürgerinitiativen und anderen Einrichtungen geschlossenen Bürgerverträge sehen unter anderem vor, dass die Unterkunft an der Luruper Hauptstraße mit immerhin 300 Flüchtlingen bereits Ende des Jahres geräumt werden soll. Das Quartier in der Notkestraße 25 mit derzeit 650 Flüchtlingen soll in absehbarer Zeit folgen.

Aber wohin mit den Menschen, von denen viele in den jetzigen Unterkünften schon länger leben, vielleicht sogar die ersten sozialen Bindungen aufbauen konnten? Die in Bahrenfeld erste Schritte zur Integration geschafft haben, Sprachkurse, Praktikumsplätze oder gar schon einen Job gefunden haben …

Jemand der mit der Situation und den Problemen bestens vertraut ist, sieht die jetzige Entwicklung sehr kritisch. Nathan Arileshere, Leiter des für die meisten der Flüchtlinge zuständigen Quartiersmanagement Bahrenfeld, warnt vor Aktionismus und vorschnellem Handeln. „Die Menschen in den Unterkünften sind sowieso schon entwurzelt und oft auch traumatisiert. Die drohende Umsiedlung verunsichert viele natürlich zusätzlich. Jetzt wird der Druck noch einmal unheimlich erhöht. Sie wissen nicht, wohin die Reise geht und das macht vielen Angst.“

Und auf viele entscheidende Fragen gibt es aus Arilesheres Sicht auch noch keine geeigneten Antworten. Ziel sei es, die Flüchtlinge in kleinere, modernere Wohnungen umzusiedeln und nicht nur von einer Massenunterkunft zur nächsten. Arileshere: „Der soziale Wohnungsbau in Hamburg liegt aber seit mehr als 20 Jahren am Boden, jeder weiß, wie unfassbar schwer es ist, in Hamburg Wohnungen zu finden. Wie sollen da die Flüchtlinge zumutbare Wohnungen finden? Oder wo sollen ihnen solche Wohnungen angeboten werden? Die Lösungen die bisher angeboten werden, sind aus meiner Sicht nicht angemessen. Das ganze wirkt auf mich eher wie ein fauler Kompromiss.“

Dass ausgerechnet der Mann, der von Berufs wegen bestens über die Situation, die Befindlichkeiten, die Sorgen und Ängste der Flüchtlinge in Bahrenfeld Bescheid weiß, so eindringlich warnt, sollte zu denken geben. Arileshere: „Eine Situation wie die, die jetzt entstanden ist, macht es den Menschen, denen wir helfen wollen schwerer, sich besser zu integrieren.“ Es gehe nicht nur darum, diese Menschen vor Obdachlosigkeit zu schützen, ihnen ein Dach und eine Toilette zur Verfügung zu stellen, sondern ihnen menschenwürdiges Wohnen in einer Umgebung mit Perspektive anzubieten.

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