Selbst kleine Magnete können eine große Zugkraft besitzen. Foto: Panthermedia
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Neues vom Nachbarn – Wochenblatt Kolumne von Oliver Lück

Das komische Potenzial der Vergesslichkeit schöpfen manche Menschen ja mehr aus als es ihnen und anderen guttut. Freunde von mir stritten mal so sehr, dass sie bei der Abfahrt in den Urlaub ihre Tochter im Kindersitz vor der Haustür stehen ließen und es erst drei Straßen weiter bemerkten.

Erinnert sei auch an den Mann, der seine Frau auf der Hochzeitsreise an der Tankstelle vergaß. Und überhaupt will man ja immer gut vorbereitet sein auf eine Reise. Es darf an nichts fehlen. Also beginnt man viele Monate im Voraus mit den Planungen. Man kauft atmungsaktive Unterhosen und eine Axt, um in den tiefen Wäldern Brandenburgs Brennholz zu hacken.

Und dann ist es wie so oft: Man hat einen Haufen Dinge dabei, die man nie benutzen wird. So war es in den letzten Sommerferien. So wird es im nächsten Herbsturlaub sein. Und in allen Ferien danach auch. Vor vielen Jahren habe ich mir in meinen Campingbus mal eine zweite Hupe einbauen lassen, die sich von hinten aus dem Bett bequem per Knopf bedienen lässt. Das ist meine Alarmanlage gegen allzu neugierige Menschen. In den letzten zehn Jahren aber blieb alles ruhig. Also hupe ich alle paar Monate aus Spaß, um zu testen, ob sie noch geht.

Schon deshalb möchte ich Ihnen heute mal etwas wirklich Praktisches vorstellen, das auf meinen Bustouren unentbehrlich geworden ist: „Was klebt denn da?“ So fragte gerade erst ein guter Freund, der schon länger nicht in meinem Bulli gesessen hatte. „Das sind Magnete“, verriet ich voller Stolz und klärte über die kleinen Kraftprotze auf, „die haben eine Zugkraft bis zu 30 Kilo“.

Theoretisch müssten sich da zwei meiner drei Söhne gleichzeitig dranhängen können. Und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, warum ich nicht schon viel früher darauf gekommen bin. Im letzten Jahr übrigens beobachtete ich im Sommerurlaub in Südfrankreich einen Mann in einem Park, der genau diese Magnete dabeihatte. Er hatte ein dünnes Seil daran geknotet, um sich beim Boule-Spiel nicht jedes Mal nach seinen Kugeln bücken zu müssen. Meist sind es die kleinen Dinge im Leben, die die größte Freude bereiten.

Habe ich noch was vergessen? Ich weiß es nicht …

 

Oliver Lück

ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)

 

 

 

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

 

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